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Kita-Randzeiten: Anspruch höher als Bedarf

Kita-Randzeiten: Anspruch höher als Bedarf

In Mönchengladbach sind bereits viele Kitas bis zu zwölf Stunden am Tag geöffnet. Eltern befürworten die flexiblen Öffnungszeiten, nutzen sie bislang aber nicht vollumfänglich.

In der Kita Mittendrin beginnt der Tag früh: Schon ab 6.30 Uhr können die Eltern ihre Kinder zur Betreuung bringen. Erst um 18.30 Uhr schließt die Kita wieder. Mit einer Öffnungszeit von zwölf Stunden gehört die Einrichtung an der Dessauer Straße zu den Spitzenreitern in Mönchengladbach. Aber auch andere Kitas haben bei der Randzeitenbetreuung nachgezogen: Das städtische Familienzentrum Am Hockstein beispielsweise bietet nach Bedarf im Rahmen des Programms Kita plus ebenfalls erweiterte Öffnungszeiten — sogar von 6 bis 18.30 Uhr.

Flexibilisierte und erweiterte Öffnungszeiten entlasten die berufstätigen oder studierenden Eltern in Mönchengladbach erheblich. Wie die entsprechenden Angebote angenommen werden, ist aber von Stadtteil zu Stadtteil höchst unterschiedlich. Zwar wünschen sich viele Eltern in Umfragen frühere und längere Öffnungszeiten der Kitas, sie nehmen sie aber nicht unbedingt in Anspruch. In der Kita Am Hockstein, im Rheydter Grüngürtel gelegen, sind es zwei Familien, die die frühen Betreuungszeiten nutzen, und zwei Familien, die ihre Kinder später abholen. Bei einer zuvor durchgeführten Umfrage war das Interesse an Randzeitenbetreuung noch deutlich höher. „Die Öffnungszeiten müssen sich noch herumsprechen“, sagt Monika Jansen, kommissarische Kita-Leiterin.

Anders in der Kita Mittendrin in Hermges: Dort gehören die langen Öffnungszeiten von Anfang an zum Konzept. Aus gutem Grund: Träger ist eine Elterninitiative, die sich unter Studierenden der Hochschule Niederrhein gebildet hatte. „2011 waren wir die einzigen, die bereits morgens um sieben Uhr geöffnet haben“, erinnert sich Leiterin Nicole Ott an die Anfangsjahre. „Unser Grundgedanke war es immer, die Randzeiten abzudecken.“

Dabei müssen sich Eltern nicht darauf festlegen, ihr Kind immer früh zu bringen oder lange in der Kita zu lassen. „Wir planen mit einem Bereitschaftsdienst, der greift, wenn es nötig ist“, sagt Ott. 15 Plätze stehen in den Randzeiten zur Verfügung, mehr werden auch nicht benötigt. Berufstätige Eltern kommen auch von weiter her. Auch während der Ferien hat die Kita geöffnet. „Wir haben nur zwei Schließtage im Jahr“, sagt die Kita-Leiterin. Zudem wird mit zusätzlichen Angeboten experimentiert, um die Eltern zu entlasten: beispielsweise mit einer Kita-Übernachtung für alle oder einer monatlichen Samstagsöffnung.

„Die Nerven der Eltern sind zum Teil sehr dünn, sie stehen unter einem enormen Druck“, sagt Ott. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei immer noch nicht einfach. Auch wenn Kinder krank werden, wagen Eltern nicht immer zu Hause zu bleiben und bringen das Kind trotzdem in die Kita. Das geht natürlich nicht, hier greifen die Kita-Mitarbeiter ein. Aber sie wissen: Die Eltern tun das, weil der Arbeitgeber Druck ausübt. Auch die „Urlaubszeiten“ der Kinder behalten die pädagogischen Mitarbeiter im Auge. „Ich habe schon Fälle erlebt, wo Kinder anderthalb Jahre durchgängig in der Kita waren“, sagt die Kita-Leiterin. „Aber jedes Kind sollte vierzehn Tage Urlaub haben.“ Schließlich ist der Aufenthalt in einer Kindertageseinrichtung, so gut sie pädagogisch, personell und konzeptionell aufgestellt sein mag, für die Kinder auch „Arbeit“.

Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, bleibt schwierig — aber es liegt nicht unbedingt an einem Mangel an Randzeiten-Betreuung in Mönchengladbach.