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Kein Neubau für das Kriz?

Kein Neubau für das Kriz?

Es bleibt offen, ob junge Leute mit großen Problemen in ein neues Haus ziehen werden.

Mönchengladbach. Einig waren sie sich alle: Das Kriz mache eine gute Arbeit, hieß es da. Doch als es im Stadtrat darum ging, mit einem Antrag der Bündnis-Grünen Farbe zu bekennen und den Weg frei zu machen für den seit Jahren geplanten Neubau des Kriseninterventions-Zentrums (Kriz) für Jugendliche mit großen Problemen, da gab es von CDU, FDP und Freier Wählergemeinschaft (FWG) ein Nein zum Grünen-Antrag.

Ehe es zur Abstimmung kam, zog ein entnervter Grünen-Sprecher Karl Sasserath den Antrag zurück. Da hatte es eine mehr als 90-minütige Kriz-Diskussion gegeben. Fraglich ist nun, ob der Träger des Kriz, die Jugendhilfe Schloss Dilborn, überhaupt noch in Gladbach bauen will.

Denn die Stadt als Standort einer solchen geschlossenen Therapie-Einrichtung, in der Personen zwischen zwölf und 17 Jahren unter anderem mit Drogen- und/oder Erfahrung der Prostitution leben, ist längst belastet.

Zur Erinnerung: Als sich „Schloss Dilborn“ (Brüggen) mit einem Investor längst einig war, in Wickrath ein Haus für rund 16 junge Leute zu bauen und damit Ersatz zu schaffen für das schwer sanierungsbedürftige Alt-Haus Kyffhäuser Straße, da hagelte es Proteste der Initiative „Besorgte Bürger Wickrath“. Daran hätten sich auch Politiker von SPD und Bündnis-Grünen beteiligt, sagte am Mittwoch FDP-Sprecher Anno Jansen-Winkeln. Die Folge: Dilborn gab auf. Ein zweiter Anlauf in Rheydt sei auf Druck „gewisser Politiker“ gescheitert, sagte CDU-Ratsherr Friedhelm Stevens.

Schließlich habe OB Norbert Bude (SPD) zu einer Fraktionsvorsitzenden-Runde eingeladen, um nach einer Lösung — sprich einem weiteren Neubau-Standort — zu suchen. Doch da habe ein Kriz-Grundstück „in Waldhausen“ längst festgestanden, monierte etwa CDU-Fraktionssprecher Hans-Peter Schlegelmilch. Von einem transparenten Verfahren (Standort-Suche, frühe Beteiligung der Bürger usw.) könne also keine Rede mehr sein. Die CDU habe zudem keinen „Blankoscheck für das Kriz“ gegeben, sagte der Christdemokrat.

SPD wie Grüne bedauerten, dass „es hier und jetzt keine Zustimmung“ zum (Grünen-)Antrag gibt. Das schade der Stadt und vor allem der Kriz-Einrichtung. Sasserath: „Wir sind in der Pflicht, das Wohl aller Kinder im Auge zu behalten.“ Monika Berten (SPD) warnte vor „Ultra-Konservativen“, die Projekte wie das Kriz ablehnten, weil sie glaubten, von den Jugendlichen gingen Gefahren etwa für Kinder in der Nachbarschaft aus.

Stadtspitze und Dilborn-Leiter Guido Royé sollen jetzt erneut miteinander verhandeln. Das kann dauern, bis es ein Ergebnis gibt. SPD-Fraktionsvorsitzender Lothar Beine sagte: „Die SPD steht hinter dem Kriz.“