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Kauft SMS das Schlafhorst-Areal?

Kauft SMS das Schlafhorst-Areal?

Leere große Hallen blieben von Gladbachs größtem Arbeitgeber. Ein Investor interessiert sich für den Komplex.

Mönchengladbach. Schlafhorst — der Name für erfolgreiche Industriegeschichte verschwindet aus Gladbach. Platt gemacht von Schweizer Eigentümern. Jetzt, mit der Aufgabe der Montage für eine Textilmaschine, steht nicht nur eine weitere riesige, rund 20 000 Quadratmeter große Halle leer. Nur noch rund 70 der in den 90er Jahren mehr als 5000 Beschäftigten verlieren sich auf dem Areal an der Blumenberger Straße. Beschäftigt im Bereich Informationstechnologie (IT), im Ausbildungsverbund (eine überbetriebliche Lehrwerkstatt) und im Gebäude-Management von Oerlikon Schlafhorst.

Die verordnete Zukunft von Schlafhorst heißt Übach-Palenberg. Das haben die Manager des Eigners, Oerlikon, so festgelegt. Der Schweizer Konzern scheint sich finanziell erholt zu haben, sagen Wirtschaftsleute. Und nicht nur bei Oerlikon ist zu hören, dass die Eigentümer das große Gladbacher Werk loswerden wollen. Bis zum Jahresende. Firmensprecher André Wissenberg erklärt, der Industriekonzern „prüfe den Verkauf des Schlafhorst-Businessparks“.

Peter Heimerzheim vom „heiß gehandelten Interessenten“ SMS Meer GmbH sagt zur WZ: „Wir verhandeln schon länger, letztlich ist das alles eine Frage des Preises.“ Der Gladbacher Anlagenbauer (rund 1400 Mitarbeiter) hat seine weiträumige Fabrik quasi auf der anderen Seite von Schlafhorst — und ist dort bereits etabliert. Laut Heimerzheim hat man vom Textilmaschinenbauer Hallen und Grundstücke erworben. Der SMS-Sprecher schließt nicht aus, dass das Großunternehmen den gesamten Schlafhorst-Komplex mit rund 143 000 Quadratmetern erwirbt. Und damit auch die Pachtverträge jener FremdFirmen, die sich im Schlafhorst-Labyrinth einmieteten und dort produzieren.

Seinen Ausbildungsverbund will Oerlikon Schlafhorst ebenfalls veräußern. Doch wer die größte überbetriebliche Azubi-Werkstatt in Gladbach mit neun Festangestellten übernimmt, ist offen.

Zuletzt hieß es, der Berliner Dienstleister Nestor übernehme den Ausbildungsbetrieb unter anderem für Mechatroniker, die WZ berichtete. Am Mittwoch verlautete aus Mitarbeiter-Kreisen, der Tüv Nord wolle einsteigen. Man sei bei den Gesprächen „weit fortgeschritten“ und könne im Verlauf des dritten Quartals „Vollzug melden“. Für die Ausbilder kann das bedeuten, dass sie künftig weniger Geld verdienen, derzeit gilt für sie noch der IG Metall-Tarif. Der Verbund bildet junge Leute aus — sowohl für Oerlikon Schlafhorst als auch für andere Firmen. Die wiederum zahlen für die praktische Begleitung ihres Nachwuchses.

Im „Hauptwerk“ Übach-Palenberg arbeiten mehr als 1100 Menschen — knapp die Hälfte kommt aus Gladbach. Dass das Werk im Kreis Heinsberg aus den Nähten platzt, während in Speick große Hallen leer stehen, löst bei manchen Beschäftigten bissige Kommentare aus. Häme gibt es gelegentlich auch darüber, dass die Manager, die den Gladbacher Exodus vorantrieben, nicht mehr bei Oerlikon tätig sind. Zuletzt traf es Geschäftsführer Gerard Küsters.