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JHQ: Ende des Sommers soll Abriss starten

JHQ: Ende des Sommers soll Abriss starten

Der Bauausschuss machte sich ein Bild von den Plänen. Viele Flächen werden renaturiert, einige aber auch noch jahrelang genutzt.

Es ist eine besondere Szenerie: Ein Hain aus kleinen Birken zwischen verlassenen Baracken, Fingerhut-Felder auf Bürgersteigen, wuchernde Rosen in Vorgärten der früheren Wohnhäuser, ein Reh spitzt aus dem hohen Gras auf dem Fußballplatz, und überall stehen wuchtige Rhododendron-Büsche in voller Blüte. Die Natur erobert sich ein 471 Hektar großes Areal im Nordwesten Mönchengladbachs zurück. Viereinhalb Jahre ist es her, dass die britischen Streitkräfte das Joint Headquarter (JHQ) verlassen haben. Es hat ambitionierte Pläne gegeben, unter dem Namen „Seasons“ sollte eine Sport-Fun-Arena mit Einkaufszentrum, Hotels, Wohnen und Business-Park entstehen. Ein Open-Air-Festival war eine Idee. All das ist vom Tisch.

Nun wollte sich der Bauausschuss selbst ein Bild von der Situation machen. Mit dabei waren auch Vertreter der Eigentümerin des Areals, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), sowie Planungsdezernent Gregor Bonin. Zwei Stunden ging es über das weitläufige JHQ-Gelände.

Perspektivisch sollen alle Gebäude abgerissen werden. Das sind viele. Denn auf dem Areal befanden sich 1380 Wohneinheiten in Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern. Hinzu kommen Kirchen, Kindergärten, Schulen, Sportplätze, Ladenzeilen, Veranstaltungs- und Versorgungsgebäude. Und das Big House, ein Verwaltungstrakt mit 1400 Büroräumen. Unter Denkmalschutz fallen nur noch das frühere Jagdhaus „Haus Hellbach“ und der Friedhof außerhalb des Geländes.

Im ersten Schritt werden laut Annette Pfennings, Konversionsbeauftragte der Stadt, und Ulrike Birker-Schmitz von der Bima im Südwesten auf einer Fläche von 75 Hektar 600 Gebäude abgerissen. Die Arbeiten sollen im Spätsommer beginnen und nach einem Jahr abgeschlossen sein. Der Schutt wird recycelt — zu einem renaturierten Landschaftsbauwerk, zwölf Meter hoch, gekrönt von einem Aussichtsturm.

Bereits zeitnah sollen aus Gründen der Verkehrssicherheit die bei Bränden und Vandalismus zerstörten Gebäude des ehemaligen Militärhospitals abgerissen werden. Auch diese Flächen werden renaturiert. Bis 2023 soll so eine öffentlich zugängliche Grünachse von der Holtmühle bis in den Hardter Wald entstehen. Mindestens zehn Jahre wird im nordöstlichen Bereich des JHQ kein Abriss erfolgen, weil dort Mietverträge gelten. Zum einen bleibt die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende — ab Sommer sollen 1500, langfristig 2000 Plätze bereitgehalten werden (aktuell sind es 1000). Weiter östlich wird die Liegenschaft von der Landespolizei genutzt. Das Innenministerium plant ein Trainingsgelände. Zudem dient dieser Bereich als Schießstätte — nicht nachts und an Feiertagen, so wird versichert. Nach und nach sollen auch diese Bereiche renaturiert werden. Ganz uneigennützig ist das nicht: Das Areal ist Ausgleichsfläche für Bauvorhaben andernorts.