Immer noch die alte Rolle?

Immer noch die alte Rolle?

Die Gleichstellungsbeauftragte Bärbel Braun wünscht sich mehr Vorbilder für Mädchen – aber keine Fernsehstars.

Mönchengladbach. Der Internationale Frauentag am Sonntag kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Am Anfang standen der Kampf um Gleichberechtigung und Wahlrecht für Frauen. Auch wenn viele Ziele der Frauenbewegung heute erreicht sind - dass Männer und Frauen in unserer Gesellschaft die gleichen Bedingungen und Chancen haben, um sich zu entwickeln, "ist immer noch in vielen Bereichen eine Utopie", sagt Bärbel Braun, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt.

Denn Fakt ist, dass Frauen wirtschaftlich oft schlechter dastehen als Männer, da sie in der Arbeitswelt noch immer benachteiligt sind. So haben laut einer aktuellen EU-Studie weibliche Beschäftigte in Deutschland im Jahr 2008 für die gleichen Jobs rund 23 Prozent weniger verdient als Männer. Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit sind im gleichen Zeitraum weniger Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt als ihre männlichen Kollegen: In Mönchengladbach-Mitte ist das Verhältnis 45 zu 55 Prozent.

Da Frauen sich "in der Regel mehr in der Kinderbetreuung engagieren oder in der Pflege von Angehörigen" arbeiten sie "mehr in Teilzeit," bestätigt Karin Schliffke, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit Mönchengladbach.

Es sind immer noch mehrheitlich die Mütter, die nach der Geburt eines Kindes aus ihrem Beruf aussteigen. Oft bis zu drei Jahren, denn Betreuungsplätze für Unterdreijährige sind auch in Mönchengladbach "nicht ausreichend vorhanden", so Bärbel Braun. Derzeit gibt es 524 Plätze in der Stadt, was einer Quote von unter zehn Prozent entspricht.

Auch bei der Nachmittagsbetreuung von Grundschülern reichen die Kapazitäten in Gladbach nicht aus. Von zwei Kindern hat eins Chancen auf einen Betreuungsplatz. Nach wie vor aktuell bleibt daher die alte Forderung der Frauenbewegung nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier sind Fortschritte erreicht, auch in Mönchengladbach. Viele Betriebe haben betriebseigene Kindergärten gegründet: "In Mönchengladbach sind einige Unternehmen vom Bund als besonders familienfreundlich ausgezeichnet worden", sagt Bärbel Braun.

Ein Bündnis für Familien hat auch der Rat der Stadt Mönchengladbach beschlossen. Es ist mittlerweile allgemeiner Konsens aller Parteien, dass die Situation von Familien und damit auch der Frauen verbessert werden muss.

Stichwort Politik: "Hier ist der Anteil von Frauen in Mönchengladbach im Vergleich zu anderen Städten in NRW ganz schlecht", sagt Bärbel Braun. So hat die CDU als größte Fraktion im Stadtrat von 33 Mandaten nur zwei mit Frauen besetzt. Auch eine Bürgermeisterkandidatin für die Wahl 2009 ist nicht in Sicht.

Dass Frauen keineswegs das schwache Geschlecht sind, zeigen die Mädchen mit durchschnittlich besseren Schulleistungen und -abschlüssen als Jungen. Um ihren Vorsprung auch im Berufsleben umsetzen zu können, müssen sich nicht nur die Bedingungen ändern. Mädchen brauchten mehr positive Vorbilder, sagt Braun und meint keine Superstars aus der Fernseh- und Medienwelt, sondern "ganz normale Frauen".

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