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Immer mehr Gladbacher zeigen Falschparker per Handy an

Immer mehr Gladbacher zeigen Falschparker per Handy an

Verkehrssünder können mit einer App im Internet veröffentlicht und beim Ordnungsamt angezeigt werden. In der Stadt gab es bislang 42 Meldungen — Tendenz steigend.

Wer falsch parkt, riskiert eine Anzeige — und neuerdings auch eine Veröffentlichung im Internet. Eine App mit Namen „Wegeheld“ ermuntert Smartphone-Nutzer, Falschparker aufzuzeichnen, zu fotografieren und den Fall mit wenigen Klicks ans Ordnungsamt weiterzuleiten. Der nicht unumstrittene Dienst ist seit zwei Jahren aktiv, hat derzeit deutschlandweit 35 000 Nutzer und verzeichnet auch immer mehr Meldungen aus Mönchengladbach. Die Nutzer meldeten bisher 42 Fälle in der Stadt, die bei entsprechender Ahndung ein Verwarngeld in Höhe von insgesamt gut 1600 Euro zur Folge gehabt hätten.

Vorfälle wie „Fahrzeug im absoluten Halteverbot“, „Fahrzeug auf Behindertenparkplatz“, „Fahrzeug in zweiter Reihe“, aber auch „Fahrer hupt, schimpft und beleidigt“ sind für fast alle Stadtteile bereits notiert und in der Karte einsehbar — mit exakter Adresse. Nach Angaben des Betreibers könnte etwa jeder dritte Vorfall auch vom Melder als Anzeige ans Ordnungsamt weitergeleitet werden, weil der Dienst eine vorformulierte Anzeige an den Nutzer schicke.

Dieser institutionalisierte Weg, Verkehrssünder beim Ordnungsamt „anzuschwärzen“, sorgt vielerorts für heftige Diskussionen. Rechtlich allerdings ist er nach Ansicht von Juristen nicht zu beanstanden, sofern auf im Netz veröffentlichten Fotos Kennzeichen und Personen unkenntlich gemacht werden.

Fremdanzeigen sind in Mönchengladbach keine Rarität. Jedes Jahr kommen mehrere hundert Anzeigen beim Ordnungsamt an, außerdem rund 30 Anrufe am Tag mit Meldungen über Verstöße. Insgesamt bearbeitet das Ordnungsamt etwa 120 000 Vorgänge im Jahr, die meisten von städtischen Mitarbeitern, meist Politessen, notiert. Fremdanzeigen werden normalerweise per Formular erstattet, das die Stadt zur Verfügung stellt. Wie viele Anzeigen bisher auf „Wegeheld“ zurückgehen, lässt sich nicht ermitteln.

„Wenn in dieser Anzeige alle Angaben zum Vorfall, ein namentlich benannter Zeuge und eventuell auch ein Foto enthalten sind, werden wir den Halter ermitteln und je nach Sachlage ein Verwarngeld aussprechen und einen Anhörungsbogen schicken“, sagt Stadtsprecher Dirk Rütten. Die App „Wegeheld“ hebt dieses Verfahren nun ins digitale Zeitalter und macht es sehr unkompliziert, vermeintliche Verkehrssünder zu „verpetzen“ und an den „Internetpranger zu stellen“, wie Kritiker monieren.

Heinrich Strößenreuther sieht das anders. Der ehemalige Bahnmanager und Greenpeace-Mitarbeiter hat die App veröffentlicht. Er betont, er verdiene damit kein Geld, habe vielmehr selbst 30 000 Euro investiert. Ihm geht es um einen Aufstand der Radfahrer gegen rücksichtslose Autofahrer. „Je größer die Stadt, umso größer ist das Problem, weil Autofahrer sich in Großstädten zunehmend asozialer verhalten“, sagt der Berliner. Ihm gehe es um Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger. Ein abgelaufenes Parkticket etwa könne über die App nicht gemeldet werden.