Herkunft des Täters:unwichtig

Der Integrationsrat will der Abschiebung von ausländischen Jugendlichen, die sich strafbar gemacht haben, vorbeugen.

Mönchengladbach. Das Deutsche Recht lässt es zu: Ein ausländischer Jugendlicher, der eine Straftat begangen hat, kann ausgewiesen werden. In Mönchengladbach wurde von dieser Möglichkeit bisher noch kein Gebrauch gemacht. Und geht es nach dem Integrationsrat, wird das auch nie der Fall sein. In seiner jüngsten Sitzung hat das Gremium eine Resolution verabschiedet, die der Ethnisierung von Jugendlichen vorbeugen und mögliche Abschiebungen verhindern soll.

Ein weiteres Ziel: "Wir wollen nicht, dass Wahlkampf auf dem Rücken der ausländischen Jugendlichen gemacht wird, wie von Roland Koch in Hessen", sagt Gülistan Yüksel, Mitglied der SPD-Ratsfraktion und Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt.

Das Papier wurde seit Februar diskutiert, Formulierungen geändert, nun endlich verabschiedet und geht jetzt weiter an den Rat. Der soll unter anderem dafür sensibilisiert werden, die Kriminalitätsstatistik und ihre Einteilung in ausländische und deutsche Straftäter nicht eins zu eins zu übernehmen.

Denn unter ausländische Straftäter fallen beispielsweise auch Touristen, Asylbewerber, illegal eingereiste Personen, oder hier stationierte Soldaten und nicht wie viele vermuten nur die dauerhaft in Deutschland lebenden Ausländer.

Ein weiterer Aspekt, den die Statistik verschweigt: "Unter den Ausländern in Deutschland gibt es einfach mehr junge Leute", erklärt Stefan Kerner, Kriminologe und Dozent an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Duisburg.

Und das sei nun einmal der Lebensabschnitt, in dem am meisten Straftaten begangen würden - auch von deutschen Jugendlichen, von jungen Erwachsenen aus sozialschwachen Familien ebenso wie von Jugendlichen aus gutem Hause.

Allerdings fördern schlechte Lebensumstände oder schlechte Zukunftsperspektiven die kriminelle Karriere. Auch das geben die Kriminalitätszahlen nicht wider und auch von diesem Problem sind Kinder ausländischer Herkunft stärker betroffen als deutsche Kinder.

"Man müsste die Kriminalitätsrate unter den Hartz IV-Empfängern vergleichen. Und die zwischen deutschen und ausländischen Chefärzten", gibt Kerner einen weiteren Denkanstoß für die nächste Auswertung der Kriminalitätszahlen.

Jetzt, wo die Resolution endlich verabschiedet ist, möchte Gülistan Yüksel hier ansetzen. "Wir müssen etwas tun, damit alle Jugendlichen eine Perspektive haben. Ausländische, Einwanderer und Deutsche." Und sie will alle in die Pflicht nehmen: Eltern, Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen und die Politik.

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