Haus Erholung: Drei Initiatoren für Bürgerbegehren in Mönchengladbach

Unterschriften für Bürgerbegehren werden gesammelt: Kämpfer für das Haus Erholung

Ein Karnevalist, eine Studentin und ein Unternehmer sind die Initiatoren des Bürgerbegehrens für den Erhalt.

Vor wenigen Wochen haben sie sich noch nicht gekannt, jetzt wollen sie gemeinsam ein Projekt am Abteiberg stoppen: Der Unternehmer Robert Bückmann, die Studentin Laura Steeger und der Karnevalist Jost Fünfstück haben ein Bürgerbegehren gegen den geplanten Verkauf von Haus Erholung gestartet.

Der von den Stadttöchtern EWMG und WFMG nach einem Ratsbeschluss angestrebte Verkauf ist Teil eines Gesamtpakets: An Stelle des alten Haus Zoar soll ein Hotel entstehen (vier Sterne plus). Das benachbarte Haus Erholung, seit 1983 im Besitz der Stadt (die Vorbesitzerin war mangels Wirtschaftlichkeit des Hauses in finanziellen Schwierigkeiten) soll zu einem Kongresszentrum und zum Entrée für das Hotel werden. Der nicht allzu ansehnliche Vorplatz soll umgestaltet, die Zufahrt zur Tiefgarage verlegt werden. Dafür wird nun per europaweiter Ausschreibung ein Investor gesucht. Der sei, so die Befürworter, bei dem hohen angestrebten Niveau nur mit einem Verkauf, nicht bei Erbbaurecht zu finden.

Bückmann, Steeger und Fünfstück sehen das anders. „Seit ihrer Fertigstellung 1861 durch Gladbacher Bürger für Gladbacher Bürger gehört die Erholung zum Stadtbild und darf nicht zum Objekt von Finanzaktionen werden“, sagt Bückmann. Er sieht das im Widerspruch zu den Grundsätzen des Masterplans, den er mitgetragen habe. „Ich lebe gerne in dieser Stadt, aber man ist dabei, ihr an vielen Stellen die Identität zu nehmen Wir wollen nicht ein zweites Düsseldorf werden.“ Fünfstück und Steeger fürchten außerdem, dass damit bezahlbare Veranstaltungsräume, die etwa von Brauchtumsvereinen oder für Abi-Feiern genutzt werden, verloren gehen. Selbst wenn die Stadt den Investor zu solchen Veranstaltungen verpflichte: „Was ist, wenn der das Objekt weiterverkauft?“, fragt Fünfstück. Steeger, ehemalige Kinderprinzessin und Studentin der Medienwissenschaften in Köln mit Wohnsitz in Waldhausen, wünscht sich „eine Stadt für alle“.

Ein Hotel auf dem Abteiberg halten alle drei nicht für die beste Lösung, könnten sich aber doch damit abfinden. Nicht jedoch mit einem Verkauf von Haus Erholung. „Der Investor könnte doch das Hotel-Grundstück kaufen, und die Stadt steckt den Erlös in die Sanierung von Haus Erholung“, schlägt Bückmann vor.

Trio zweifelt Kostenschätzung
des Rathauses an

Sanierung und Betrieb des Denkmals kosten nach Angaben des Rathauses (abzüglich Einnahmen) bis 2028 rund 4,6 Millionen Euro. Diese Kostenschätzung muss ins Bürgerbegehren aufgenommen werden. Das Trio zweifelt die Summe jedoch an. Ein Architekt habe das Gebäude begutachtet und sehe die Kosten deutlich niedriger, zudem heiße es in der Ausschreibung: „Insgesamt guter Instandhaltungs- und Unterhaltungszustand“. Es werde mit unterschiedlichen Zahlen operiert. „Mit aller Gewalt wird etwas durchgedrückt“, sagt Fünfstück. Den Vorwurf, sich vor den Karren der Opposition spannen zu lassen, weist er als „CDU-Stammwähler“ zurück. „Ich mache das aus Überzeugung als Gladbacher Bürger.“ Rechtlich beraten werden sie vom Anwalt und früheren Kämmerer Bernd Kuckels (FDP).

Bis 12\. Februar gilt es nämlich, 8388 Unterschriften von kommunalwahlberechtigten Unterstützern (ab 16 Jahren) zu sammeln, damit das Bürgerbegehren überhaupt zustande kommt. Das ist in Zeiten strenger Datenschutzrichtlinien eine Herausforderung. Listen, auf denen für jeden sichtbar die Namen und Adressen derer stehen, die bereits unterschrieben haben, sind laut Kuckels nicht mehr möglich. Es wird wohl auf Einzelformulare hinauslaufen. Gesammelt wird an Wochenenden in den Zentren von Gladbach und Rheydt, werktags auf Stadtteil-Wochenmärkten sowie bei Einzelhändlern (mehr Infos auf www.keinverkaufvonhauserholung.de).

Sind ausreichend Unterschriften gesammelt und als rechtmäßig geprüft, wird das Ganze dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt (vermutlich im März): Er kann mehrheitlich dem Bürgerbegehren folgen und sich gegen den Verkauf aussprechen oder einen Bürgerentscheid einleiten.

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