Hamburger macht Gladbach zur Schifffahrts-Stadt

Hamburger macht Gladbach zur Schifffahrts-Stadt

Michael Lang hat mit seiner Firma Overseas Logistic Services den Sultan von Brunei beliefert.

Mönchengladbach und Schifffahrt: Das ist wie Hamburg und Alpentourismus. Es passt einfach nicht zusammen. Augenscheinlich. Dass Mönchengladbach sehr wohl ein idealer Standort ist, um im Bereich der Überseeverschiffungen erfolgreich zu sein, beweist Michael Lang. Der gebürtige Hamburger ist mit seiner Firma Overseas Logistic Services, kurz OLS, seit fast 20 Jahren erfolgreich auf diesem Gebiet unterwegs. Dreh- und Angelpunkt seiner Geschäfte ist der Nordpark.

Der Standort seiner Firma am Nordpark ist führ ihn optimal: „Im Ruhrgebiet wird die meiste Ware bewegt. Zudem ist die Nähe zu den Westhäfen Rotterdam, Antwerpen und Amsterdam ideal.“ In Hamburg, so sagt Lang, könne er sich nicht so gut auf die Bedürfnisse seiner Kunden einstellen wie in der Vitusstadt. Dafür sei die Konkurrenz in Hamburg zu groß. Dennoch hat sich Michael Lang vor Jahren dazu entschieden, den Hamburger Spediteur Fr. Meyer’s Sohn (FMS) mit ins Boot zu holen und ihn mit 60 Prozent an seiner Firma zu beteiligen. In seinen Entscheidungen ist der Wahl-Mönchengladbacher trotzdem autark. „Die Hamburger reden mir nicht in meine Geschäfte rein. Vom weltweiten Netzwerk profitieren wir dennoch“, sagt Lang. 30 Mitarbeiter beschäftigt der 55-Jährige. Allesamt Experten auf dem Gebiet der Überseespedition. OLS ist spezialisiert auf Exporte für Unternehmen aus der metallverarbeitenden Industrie und dem General Cargo Bereich — also Stückgüterverladungen. Beim Import ist OLS im Transportieren von Elektronik weit vorn. Zu den Angeboten der Mönchengladbacher Logistikfirma zählen unter anderem Binnenschifftransporte, Fiskalverzollung, Containerstauung und die weltweite Projektverschiffung.

Um sich von anderen Speditionen abzuheben, setzt der gelernte Schifffahrtskaufmann und Verkehrsfachwirt nicht nur auf den Seeweg. „Den Luft- und Landfrachtverkehr decken wir ebenso ab“, sagt Michael Lang. Den entscheidenden Wettbewerbsvorteil sieht Lang jedoch im Know-how seiner Mitarbeiter. „Wir sind nicht nur Transporteur von Waren, sondern auch Berater der verladenden Wirtschaft.

Sein bis dato verrücktester Auftrag war der Transport einer großen Schrottpressenanlage von Deutschland nach Rumänien. Bei der Abholung stellte sich heraus, dass die Presse zwar in alle Einzelteile zerlegt, aber unverpackt war. „Der Schrotthändler dachte, es sei der Job des Spediteurs, die Ware fachgerecht einzupacken und zu verschnüren“, erzählt Michael Lang. Und für den Sultan von Brunei hat er bereits Luxusyachten verschifft. Obwohl er die Schifffahrt liebt und sie gegenüber dem Luft- und Landfrachtverkehr die günstigere Alternative für seine Auftraggeber ist, betont er immer wieder: „Ein Schiff ist kein Taxi.“ Auf hoher See und in der Binnenschifffahrt gibt es viele Faktoren, die abhängig machen. Die Zukunft der Überseespedition sieht Michael Lang dennoch positiv. „Die Containerisierung wird weitergehen“, sagt der 55-Jährige.

Mehr von Westdeutsche Zeitung