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Halbfinale: Die Hauptsache ist Fairness

Halbfinale: Die Hauptsache ist Fairness

Menschen: Monika Marrenbach und Raci Arslan – seit zehn Jahren ein Paar, fiebern sie am Mittwoch für unterschiedliche Teams.

Mönchengladbach. Mit der Fernbedienung fing vor zehn Jahren alles an. So wurde Monika Marrenbach zum Fußballfan. Seit zehn Jahren ist Raci Arslan der Lebensgefährte der Wickratherin. "Er ist Fußballfan. Er ist der Herr der Fernbedienung", sagt die 45-Jährige schmunzelnd über ihren Weg zur Fußballbegeisterten. "Es bleibt einem nichts anderes übrig. Entweder man hasst oder liebt es. Bei mir war es so, dass es mich gepackt hat."

Die Mönchengladbacherin besuchte mit Raci Arslan zum ersten Mal ein Fußballspiel, in seiner langjährigen Heimat Istanbul sahen sie eine Begegnung von Galatasaray. Sehr lang schauen sie nun schon zusammen Fußball. Aber das heutige Spiel wird zu einer Gewissensfrage für das deutsch-türkische Paar.

Wie bei jedem Spiel der Deutschen ist der Wintergarten der Marrenbachs umfunktioniert zum EM-Studio. Überall hängen Deutschland-Fahnen, Fußball-Lichterketten um den Fernseher. Die Nachbarn sind gewarnt, beim Fußball kann es laut werden bei Monika Marrenbach und ihren Eltern. Der Grill ist aufgebaut. Freunde kommen.

Monika Marrenbach wird da sein. Ihr Lebensgefährte ist unentschlossen, ob er die Begegnung nicht mit türkischen Freunden in einem Rheydter Café verfolgen soll. Was sie gut verstehen kann: "Er wäre ja der einzige Türke." Zwischen all den schwarz-rot-goldenen Fahnen. Aber im Wintergarten sei "die Stimmung toll", sagt er.

Wohlgemerkt hängen an der Hausfront türkische und deutsche Flagge. Und Arslan ist Fan des deutschen Teams. "Wenn es nicht gerade gegen die Türkei spielt", lacht der Lehrer, der bis zu zwei schweren Knieverletzungen selbst Fußball spielte.

Jetzt drückt er anderen die Daumen. Monika Marrenbach hat ihm schon gesagt, wie sie die Chancen der Türken einschätzt: "Die spielen doch mit der B-Mannschaft, weil viele krank oder gesperrt sind." Und Raci Arslans Tipp widerspricht ihr nicht.

Egal, wie die Partie ausgeht, Korso fahren wollen beide nicht. Für Monika Marrenbach sind Korsos allein "schon wegen der Spritpreise nichts". Und Raci Arslan meint: "Aus dem Alter bin ich raus."

Aber er sehe gerne zu und freue sich, dass viele in Mönchengladbach deutsche und türkische Fähnchen am Auto hätten. Denn eines sei ihm wichtig, Jahre lang hat er sich im Ausländerbeirat engagiert: "Hauptsache es geht fair zu. Ob im Sport oder im Leben." Es sei immer noch nötig, etwas für die Integration zu tun - von beiden Seiten.