1. NRW
  2. Mönchengladbach

Gymnasien hinken hinterher

Gymnasien hinken hinterher

Kinder mit Förderbedarf dürfen an jeder Regelschule angemeldet werden. Die Hauptschulen liegen vorn.

Mönchengladbach. Die UN-Menschenrechtskonvention wird an Mönchengladbacher Hauptschulen umgesetzt. Das hört sich hochtrabend an, ist aber ganz konkret. Immer mehr Kinder mit Förderbedarf können in der Stadt eine normale weiterführende Schule besuchen.

Noch vor wenigen Jahren endete für Kinder mit körperlichen Behinderungen, motorischen Schwierigkeiten oder Entwicklungsstörungen das „normale Leben“ mit der Grundschule. Dort hatten sie im „Gemeinsamen Unterricht“ (GU) mit zusätzlicher Förderung die vierte Klasse abgeschlossen. Aber danach gab es in Gladbach kein fortführendes Angebot abseits von Förderschulen.

Das ist mittlerweile anders. Die Hauptschulen Kirschhecke, Volksgarten und Neuwerk haben Erfahrung mit „integrativen Lerngruppen“. Seit 2010 bieten auch die Hauptschulen Dohler Straße und Rheindahlen Gruppen an. Und im nächsten Schuljahr sollen die Hauptschule Dohr und die Heinrich-Lersch-Schule dazu kommen.

Durch die UN-Menschenrechtskonvention über die Rechte Behinderter ist der Begriff Inklusion immer bekannter geworden. Die Konvention fordert, dass die Vertragsstaaten allen behinderten Schülern den Zugang zur Regelschule ermöglichen.

„Die Rechtslage ist jetzt anders. Bisher wurden Gruppen vorgehalten, und Eltern konnten dort ihre Kinder anmelden. In diesem Jahr haben zum ersten Mal Väter und Mütter Kinder an Schulen angemeldet, die noch keine Gruppen haben“, sagt Walter Steinhäuser vom Schulamt.

Immer mehr Schulen öffneten sich für das Thema. Allerdings sind es nur Hauptschulen. „Obwohl es selbstverständlich Kinder mit Sprachfehler oder Körperbehinderung gibt, die einen hohen IQ und eine Gymnasialempfehlung haben“, so Steinhäuser.

Die Zahl der Kinder wird im demographischen Wandel abnehmen. Steinhäuser geht aber davon aus, dass gleichzeitig die Zahl der Schüler mit Förderbedarf steigt. Als Hauptgrund sieht er, dass in „immer mehr schwierigen Elternhäusern Kinder Defizite in der emotionalen und sozialen Entwicklung haben“.