Gottesdienst: Katholiken übergeben ihre Kirche

Gottesdienst: Katholiken übergeben ihre Kirche

Am Samstag ist die Kirche St.Hermann-Josef bei einer Feier an die griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde übergeben worden.

Mönchengladbach. Rund 200 Gladbacher Katholiken und Griechisch-Orthodoxe haben am Samstag Applaus für einen Akt gespendet, der mehr als nur symbolische Bedeutung hatte. Am Ende eines ökumenischen Gottesdienstes übergab Weihbischof Karl Reger seinem Glaubensbruder, Vikarbischof Bartholomaios von Arianz, "als äußeres Zeichen" den Schlüssel für die Kirche St. Hermann-Josef in Speick.

Erstmals hat in Deutschland eine griechisch-orthodoxe Gemeinde ein katholisches Gotteshaus gekauft und wurde innerhalb von zwei Jahren vom Mitbenutzer zum Hausherrn (die Westdeutsche Zeitung berichtete). Nach Angaben des Bischofs Bartholomaios ging mit dem Kauf des sanierungsbedürftigen Kirchengebäudes an der Karstraße "die Verwirklichung des Traumes der Mönchengladbacher Griechen" in Erfüllung.

Gut 40 Jahre waren die Griechisch-Orthodoxen in anderen Kirchengemeinden, darunter in Pesch und Waldniel, "nur zu Gast".

Mit der neuen Rolle in "seiner alten Kirche" hat sich Pfarrer Wilhelm Pötter (73) schon längst angefreundet. Schließlich nutzen die Katholiken in Speick ihre Kirche seit Ostern 2006 abwechselnd mit der griechisch-orthodoxen Gemeinde. Das Zusammenwirken in einem Gotteshaus komme dabei nicht von ungefähr, so der katholische Pfarrer.

Denn Gemeinsamkeiten sind bei den beiden Glaubensrichtungen vorhanden: Für Katholiken wie Griechisch-Orthodoxe gelten die gleichen apostolischen Glaubensbekenntnisse und Sakramente. Dass die Übergabe ein einschneidender Schritt für ihn war, sah man Pfarrer Pötter gerade während der Zeremonie ins Gesicht geschrieben. Sichtlich bewegt erklärte er den christlichen Glaubensbrüdern: "Wir Katholiken sind bei ihnen zu Gast."

"Vielfältige Gefühle" verband der Mönchengladbacher Bürgermeister Michael Schoeren mit der Übergabe der katholischen Kirche. Aber er widersprach Meinungen, nach denen von einem Ausverkauf der Kirche die Rede war. Viel lieber redete er von der Rettung des 40Jahre alten Gotteshauses. "Noch in diesem Jahr hätte diese Kirche geschlossen werden müssen", betonte Schroeren.

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