Gladbacher sind Stehauf-Männchen

Gladbacher sind Stehauf-Männchen

AOK verzeichnet dramatischen Anstieg bei psychischen Erkrankungen.

Mönchengladbach. Erst einmal die gute Nachricht: nur rund fünf Prozent aller Arbeitstage konnten von den Mönchengladbacher Versicherten der AOK wegen Krankheit im ersten Halbjahr 2010 nicht geleistet werden.

Am häufigsten blieben die Arbeitnehmer wegen Atemwegserkrankungen zu Hause - sprich: sie hatten Husten, Schnupfen, einen grippalen Infekt. Auch Muskel- und Skeletterkrankungen waren häufig, dabei dominieren die klassischen Rückenbeschwerden. Die Mönchengladbacher erweisen sich als StehaufMännchen: Es werden zwar in der Stadt mehr Arbeitnehmer krank als im Durchschnitt des Rheinlandes, sie werden aber auch schneller wieder gesund.

Den höchsten Krankenstand in der Region verzeichnen traditionell Essen und Duisburg, den niedrigsten die Kreise Heinsberg und Kleve.

Sorgen bereitet den Experten allerdings eine Gruppe von Erkrankungen, die in den letzten vier Jahren dramatisch angestiegen sind: die psychischen Erkrankungen. "Wenn die Psyche streikt, manifestiert sich das typischerweise zuerst in anderen Krankheitsbildern, oft in Rückenschmerzen", erklärt Gregor Mertens vom Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung. "Erst einige Zeit später wird deutlich, dass es sich um eine psychische Erkrankung handelt."

Die Gründe für die Erkrankung sind nicht nur, aber auch am Arbeitsplatz zu suchen. Die Mitarbeiter reagieren auf gestiegene Belastungen, mangelnde Wertschätzung und zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten mit seelischen Krankheiten wie Depressionen.

Das Fatale an diesen Krankheiten ist ihre lange Dauer: mit einer psychischen Störung bleibt ein Arbeitnehmer durchschnittlich 28 Tage der Arbeit fern, bei einer Atemwegserkrankung sind es nur sechs Tage.

Schlimmer noch: die Krankheit ist auch schwer zu behandeln. "Es ist schwierig, den geeigneten Therapeuten zu finden", weiß Manrico Preissel, stellvertretender Regionaldirektor der AOK Rheinland, "noch schwieriger ist es, zeitnah Therapie- und Kurplätze zu bekommen."

Die Folge ist ein enormer Arbeitsausfall, Tendenz steigend. Waren es 2006 in Gladbach noch 65 Arbeitsunfähigkeitstage pro 100 Versicherte, die ein Jahr lang arbeiten, so sind es 2010 knapp 105 Tage.

Gregor Mertens empfiehlt den Unternehmen daher, sich aktiv um die Gesundheit der Mitarbeiter zu kümmern. Neben Angeboten zur Gesundheitsvorsorge sollten auch die Strukturen im Unternehmen untersucht werden. Betroffene zu Beteiligten zu machen, regelmäßige Besprechungen zu etablieren, Vorschläge der Beschäftigten zu berücksichtigen - das sei eine erfolgreiche Strategie, um psychischen Erkrankungen der Mitarbeiter entgegenzuwirken. rie