Für Volksverein wird es eng

Für Volksverein wird es eng

Ein Gesetz bedroht die Arbeit des sozialen Vereins. Maßnahmen müssen gekürzt werden.

Mönchengladbach. Der Entwurf für ein Gesetz, dessen Titel sich gut anhört, ist für den Volksverein ein schwerer Schlag. „Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt“ lautet der genaue Name. Für den Mönchengladbacher Verein, der sich seit Jahrzehnten um die Beschäftigung Langzeitarbeitsloser kümmert, bedeutet er einen Riesenverlust staatlicher Zuschüsse der Bundesanstalt für Arbeit.

Edmund Erlemann, ehemaliger Propst und Volksvereins-Ikone, spricht von einer Millionen Euro weniger. „Das heißt in der Konsequenz, dass wir von rund 200 Menschen in verschiedenen Maßnahmen nur noch 120 Männer und Frauen beschäftigen können. 80 Arbeitsgelegenheiten fallen bis Ende Februar 2012 weg.“ Gleichzeitig werden wohl auch nicht alle 25 hauptamtlichen Mitarbeiter, die sich in der Geschäftsführung, als Sozialpädagogen oder Meister, um die Maßnahmen-Teilnehmer kümmern, weiter angestellt bleiben können.

Noch kämpfe man mit allen Mitteln gegen die Pläne, die für viele gemeinwohlorientierte Träger Folgen hätten, sagt Edmund Erlemann. Gleichzeitig bereitet man sich aber schon einmal auf den Tag X vor. „Was jetzt passiert, haben die Arbeitslosen nicht verdient.“ Man hätte resignieren können oder eben andere Möglichkeiten finden, um denen ohne Arbeit zu helfen.

Es müssen Entscheidungen her, die den sozial engagierten Volksvereins-Mitgliedern nicht leicht fallen. So werden im Kleinen notgedrungen auch die Schulkioske auf den Prüfstand kommen. Derzeit betreibt der Volksverein einen Kiosk in der Gesamtschule Volksgarten. Dort gibt es gesundes Essen. „Aber das kommt nicht bei allen gut an. Wir müssen eventuell streichen, was nicht profitabel ist“, sagt Erlemann. Trotzdem sollen im kommenden Schuljahr erst einmal zwei weitere Schulkioske übernommen werden — an der Gesamtschule Mülfort und am Berufskolleg Mülfort.

Gleichzeitig will der Volksverein die Zahl der Kleidershops erhöhen, da sie fast alle „gut laufen“, wie Erlemann sagt. Am Rheydter Bahnhof wurde zwar gerade das Lädchen gekündigt, weil es durch die schlechte Lage nicht viel einbrachte. Aber mindestens zwei weitere wird es in Kürze geben. Einer davon, der Kinderkleider-Shop in den Räumen der evangelischen Gemeinde an der Limitenstraße, hat gestern eröffnet (die WZ berichtete).

Ansonsten hoffen Erlemann und seine Kollegen auf die ungebrochene Unterstützung von Spendern. „Sie haben uns bisher nicht im Stich gelassen.“

Das 14-Stunden-Programm, das über Spenden finanziert wird und, wie der Name schon sagt, Arbeitslosen 14 Stunden Arbeit und Bezahlung bietet, ohne dass ihnen andere Bezüge gestrichen werden, möchte man gerne ausbauen.

Außerdem hofft man auf weitere Paten, die jungen Menschen helfen. Denn zu den derzeit zwei Auszubildenden sollen zwei Holzmechaniker-Lehrlinge und zwei Azubis zur Fachkraft für Möbel- und Küchenaufbau sowie Umzugs-Service hinzukommen. „Alleine können wir die durch Ausbildung entstehenden Kosten aber nicht schultern“, sagt Erlemann.