Frieren im Dauerfrost - Obdachlose trotzdem dem Extrem-Winter

Frieren im Dauerfrost - Obdachlose trotzdem dem Extrem-Winter

Wohnungslose leiden derzeit besonders unter der Witterung. Das Lelieveld-Haus ist ein Treffpunkt.

Mönchengladbach. Im Bruno-Lelieveld-Haus an der Erzberger Straße 8 ist es angenehm warm. Viele der meist männlichen Besucher, die an den Tischen sitzen, haben trotzdem noch ihre Jacken an oder ihre Mütze auf dem Kopf gelassen. Vor einigen steht ein heißes Getränk, andere haben sich Cornflakes oder Butterbrote mit Marmelade zu essen geholt.

Dietmar Brings spielt Schach. Auch er trägt noch alle Kleidungsstücke, die ihn draußen wärmen sollen. Drei Pullover und eine dicke Jacke bilden seine Schutzschicht vor der klirrenden Kälte: "Sogar eine Jogginghose unter der Hose habe ich an", erzählt der 43-Jährige. Knapp zwei Stunden bleiben ihm und den anderen noch, bis sie wieder raus müssen auf die Straße, wo ein eisiger Wind weht.

"Vielleicht gehe ich dann in den Bahnhof. Obwohl es da nicht gerade warm ist", sagt Brings. Seit April hat der Gladbacher keine Wohnung mehr. Zunächst ist er bei verschiedenen Freunden untergekommen. Jetzt hat er einen "Bunkerschein" und kann ab 19 Uhr in der Unterkunft der Diakonie an der Erzberger Straße schlafen.

Tagsüber kommt er ins Leliveld-Haus. Der Verein Wohlfahrt der katholischen Hauptpfarre bietet mit der Tagesstätte ein Angebot für wohnungslose Menschen an: "Damit niemand verhungern oder bei diesen Temperaturen erfrieren muss", sagt Dirk Hecker. Er ist der Hausmeister.

Dreimal die Woche gibt es hier eine kostengünstige warme Mahlzeit: "Die meisten, die kommen, sind Tagesobdachlose", sagt Hecker. Er komme, weil seine Wohnung in einem schlechten Zustand sei, erzählt ein Mann, der regelmäßig im Tagestreff ist.

Die Anlaufstelle ist nur von 7.30 bis 15 Uhr offen. Für längere Öffnungszeiten ist kein Geld da: "Früher konnten die Besucher bis 19 Uhr bleiben", sagt Dirk Hecker.

Klaus Nüßer sieht hundeelend aus. Er hat Fieber, Schüttelfrost, quält sich seit über einer Woche mit einem trockenen Husten. Schon jetzt fürchtet er sich davor, wieder in die Kälte zu müssen. Wenn es so kalt ist, wärmt er sich in einem Fastfood-Restaurant oder einer Kneipe auf: "Aber nur solange wie mein monatliches Geld reicht", erzählt der Hartz IV-Empfänger mit heiserer Stimme.

Bis zu einem schweren Unfall habe er 36 Jahre als Gerüstbauer gearbeitet. Im August musste der 54-Jährige ins Krankenhaus, danach war die Wohnung "weg". Seitdem wünscht sich der Mann, der den Rollator benutzt, nichts sehnlicher als einen Platz, "an dem ich meine Ruhe habe".

Am schlimmsten sind für die Wohnungslosen die Samstage: Dann ist der Tagestreff geschlossen, und "wir haben den ganzen Tag keinen Platz, wo wir uns ungestört aufhalten und aufwärmen können", erzählt Nüßer. Im Schlafbunker kann er sich nicht von seiner schweren Erkältung kurieren: "Es ist kalt und zugig. Ich friere sogar unter zwei Decken und mit Wärmeflasche."

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