Einzelhandel: Vituscenter wird zur Geistergalerie

Einzelhandel: Vituscenter wird zur Geistergalerie

Ende September geben auch noch StraussInnovation und Olymp&Hades ihre Filialen auf.

Mönchengladbach. Noch drängen sich die Kunden im Erdgeschoss des Vituscenters: Räumungsverkäufe mit Preisnachlässen bis zu 50 Prozent ziehen immer. "Wenn es nur immer so voll gewesen wäre", seufzt eine Verkäuferin.

Aber der Ansturm der Kunden wird in letzter Zeit immer geringer. Kleinere Einzelhändler im Vituscenter beklagen Umsatzrückgänge von bis zu 50 Prozent. Die beiden großen Filialisten Strauss Innovation und Olymp&Hades schließen Ende September ihre Läden und verlassen das Einkaufszentrum.

Der Bekleidungsspezialist Olymp&Hades wird alle Mitarbeiter am neuen Standort an der oberen Hindenburgstraße weiterbeschäftigen, wo bereits unter dem Namen "Kult" ein neues Geschäft eröffnet wurde.

Strauss Innovation dagegen zieht sich ganz aus der Mönchengladbacher Innenstadt zurück. Das Geschäft im Vituscenter bleibt so lange geöffnet, wie noch Ware vorrätig ist, schließt aber spätestens Ende September, wenn der Mietvertrag ausläuft.

Damit wandelt sich das Vituscenter langsam von einem Shoppingcenter am Hauptbahnhof zu einer Geistergalerie. Das Untergeschoss ist bereits menschenleer, selbst die Rolltreppe steht still.

Im Erdgeschoss betrachten die kleineren Geschäfte die Entwicklung mit Sorge, sehen aber noch keinen Grund, das Center zu verlassen. Es gibt sogar Läden wie das Viva Style, das nicht nur mit der Lage zufrieden ist, sondern in nächster Nähe ein zweites Geschäft eröffnen will. "Unsere jugendliche Kundschaft kommt weiterhin", stellt Verkäufer Shaan Akash befriedigt fest.

Aber er ist mit seinem Geschäft die Ausnahme. Von den langjährig Beschäftigten hört man immer wieder die gleichen Gründe für die schlechte Entwicklung: die mangelnde Attraktivität der unteren Hindenburgstraße. Alteingesessene Bekleidungsgeschäfte schließen, Ein-Euro-Shops schießen wie Pilze aus dem Boden, Veranstaltungen finden auf dem Theatervorplatz statt, das untere Ende der Hindenburgstraße wird vernachlässigt.

Vom Betreiber des Vituscenters ist nichts zu hören. Der örtliche Manager verweist auf den Eigentümer Dawnay, Day Property Investment GmbH, der deutschen Immobilientochter des ins Schlingern geratenen britischen Finanzinvestors, der auch an Hertie beteiligt ist. Doch auf Anfrage erhält die WZ keine Antwort. Wahrscheinlich hat Dawnay Day derzeit noch viel größere Probleme als das Mönchengladbacher Vituscenter.

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