Eine ganze Familie steht vor Gericht

Eine ganze Familie steht vor Gericht

Sieben miteinander verwandte Gladbacher sind wegen Betrugs, Raubes, Diebstahls und Hehlerei angeklagt.

Mönchengladbach. Am 15. Oktober griff die Polizei zu. In Werl und in Soest nahm sie sieben Männer fest, die schon länger observiert worden waren. Die Bandenmitglieder stehen im dringenden Verdacht, überwiegend ältere Menschen mit gemeinen Tricks bestohlen zu haben. Einbrüche sollen ebenso auf ihr Konto gehen wie schwerer Raub. Im April werden sie sich dafür vor der großen Jugendstrafkammer verantworten müssen.

Angeklagt sind die Männer, die alle in Mönchengladbach geboren und miteinander verwandt und verschwägert sind, unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls, Betruges, Hehlerei und schweren Raubes. Alleine für Letzteres drohe eine Mindeststrafe von drei Jahren, sagt Landgerichtssprecher Martin Alberring.

Vorgeworfen werden der Bande 16 Taten, die zwischen dem 12. Mai und dem 14. Oktober 2014 begangenen wurden. Die Männer im Alter von 19 bis 53 Jahren hatten sich ihre Opfer im kompletten Bundesgebiet gesucht. In Mönchengladbach, ihrer Heimatstadt, sollen sie allerdings keine Straftat verübt haben. In der Anklageschrift tauchen unter anderem Verl, Solingen und Berlin als Tatorte auf. In einem Fall sollen die Männer beispielsweise einem älteren Mann Dacharbeiten zu einem günstigen Preis angeboten haben. Dafür hatten sie laut Anklage eine Anzahlung verlangt und erhielten 1100 Euro. Mit dem Geld verschwanden die Männer später, ohne am Dach gearbeitet zu haben. Außerdem war nach dem Besuch auch noch die Wohnung des Seniors durchsucht worden. Dabei sollen die Täter weiteres Geld ergattert haben.

Nicht alle sieben Männer sind vorbestraft. Aber die Familienmitglieder gelten als einschlägig bekannt. Der 53-Jährige hat elf Eintragungen im Strafregister (ab 1984). Zuletzt wurde er wegen gemeinschaftlichen Betruges verurteilt.

Identifiziert und überführt wurden die Gladbacher durch Zeugen, denen Fotos vorgelegt wurden, und durch Telefonüberwachung. Offenbar hatte die Bande, die in wechselnder Beteiligung die Straftaten beging, über Handy mit den „Schmiere“-Stehenden kommuniziert. Die Polizei überprüfte, welche Handys in Tatortnähe eingebucht waren.

Die Festnahme soll spektakulär verlaufen sein. Mit SEK-Kräften wurden die Täter ergriffen, von denen die Polizei wusste, dass sie Waffen haben. Die Bande hatte sich zu diesem Zeitpunkt offenbar für neuerliche Beutezüge aufgeteilt. Ein Hubschrauber wurde bei den Festnahmen eingesetzt, in einem Fall eine Bundesstraße gesperrt.

Bei den anschließenden Wohnungsdurchsuchungen fand die Polizei viele offensichtliche Beutestücke. Entdeckt wurden aber auch Waffen wie eine scharfe Pistole.

Alle sieben Bandenmitglieder sitzen seit dem 15. Oktober in Untersuchungshaft. Der Gerichtsfall landete vor der Großen Jugendstrafkammer, weil einer der Angeklagten zum Tatzeitpunkt unter 21 Jahre war.