Ein möglichst normales Leben

Ein möglichst normales Leben

Zwölf Bewohner mit Betreuungsbedarf ziehen in das neue Haus in Rheindahlen.

Mönchengladbach. Ein verhängnisvoller Verkehrsunfall veränderte ihr ganzes Leben. Iris von Krebs studierte Sonderpädagogik, als sie vor fünf Jahren von einem Auto angefahren wurde. Zehn Monate Wachkoma, zwei Jahre Reha, seit drei Jahren lebt sie wieder bei ihrer Mutter. Die 27-Jährige gehört zu den neuen Bewohnern mit Schädel-Hirn-Trauma, die in den kommenden Tagen das Hephata-Haus in Rheindahlen beziehen werden.

Die zwölf Frauen und Männer beziehen eigene Apartments mit eigenem barrierefreiem Bad, die Wände sind nach ihren Wünschen farbenfroh gestrichen. Iris von Krebs möchte ihre Bücher und ihren Computer mitbringen. Mutter Marja van Arendonk ist froh über das neue Wohnangebot der Stiftung Hephata. „Zu Hause ist es auf Dauer doch zu langweilig für meine Tochter“, sagt sie. Und: „Wir waren die Ersten, die die Zusage für das Wohnhaus bekommen haben.“

Christian Houben leitet die neue Einrichtung. Zusammen mit seinem 15-köpfigen Team ist er immer für die Bewohner da, die unter Orientierungsverlust oder Lese- und Schreibproblemen leiden. Den Alltag gemeinsam zu bewältigen — das ist oberstes Ziel der Hephata-Einrichtung.

Abteilungsleiter Jochen Amsink erinnerte bei der offiziellen Einweihung an die lange Vorlaufphase. Bereits vor vier Jahren habe man festgestellt, „dass es Menschen gibt, die nicht in unsere Häuser oder ein Altenheim passen, weil sie andere Bedürfnisse haben“. Gemeinsam mit Bauinvestor Felix Busch wurde die Idee realisiert. Für Menschen mit erworbenen Hirnschäden biete das Haus nun eine optimale Lösung. Man wolle eine „alltagsorientierte Assistenz“ bieten, jedoch keine Therapiemöglichkeiten. Dabei auch den Angehörigen helfen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Seit der Grundsteinlegung im vergangenen Jahr habe man mehrere hundert Anfragen von Interessenten erhalten, etwa 70 bis 100 seien in die engere Wahl gekommen. Pfarrer Christian Dopheide als kirchlicher Vorstand machte deutlich, dass sich die Bewohner wohlfühlen sollten in dem geräumigen Gebäude.

„Ihr Lebensglück soll hier verwirklicht werden“, so der Geistliche. „Das hier ist kein Heim, sondern ein neues Zuhause, in dem die Lebensgeister wieder aufblühen sollen." Den zwölf Bewohnern — vier Frauen, acht Männer — versprach er „Wärme, Behaglichkeit und eine gute Nachbarschaft“. Marja van Arendonk glaubt, dass der Umzug ihrer Tochter ein richtiger Schritt ist. „Sie ist so gesellig, hat immer gute Laune. Sie wird schnell Anschluss finden.“

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