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Der Klassenchat kann schnell zu Mobbing führen

Der Klassenchat kann schnell zu Mobbing führen

Manche Schulen verbieten Mobiltelefone, andere stellen klare Regeln auf.

Mönchengladbach. Das Handy piept immer wieder, im Chat der Klasse 5b des Messengers WhatsApp werden ständig neue Nachrichten gepostet. Wer die neusten Nachrichten nicht kennt, ist schnell außen vor. Der Einzug der Smartphones in die Schulflure bringt viele Themen auf die Tagesordnung der Schulen: Wie regeln wir den Umgang mit den Smartphones?

„Eigentlich haben 95 Prozent der Schüler ein Handy oder Smartphone“, sagt Angela Göbel, Schulleiterin der Bischöflichen Marienschule. Eine WhatsApp-Gruppe für die Klassen gehört da ganz selbstverständlich dazu. „Dass Schüler solche Gruppen haben, finde ich erstmal gut“, sagt Göbel. Im Krankheitsfall könnten die Schüler sich da über verpassten Schulstoff informieren. Der Gruppenchat bietet aber auch Raum für Beleidigungen und Mobbing. Und alle lesen in Echtzeit mit.

Die Smartphones beschäftigen die Schulen: Peter Kiewitt und Heike Moll von der Polizei sind Ansprechpartner für die Schulen. Sie beraten regelmäßig die sechsten und siebten Klassen aller Schulformen. Gerade die Chat-Gruppen bieten Konfliktpotenzial: „Das schaukelt sich so langsam hoch“, sagt Kiewitt. Zum Opfer werde man schnell: Wenn man aus einer Chat-Gruppe aussteige oder Beleidigungen gegenüber anderen kritisiert.

Diese Fälle werden immer mehr: „Bei allem, was mit neuen Medien zu tun hat, steigen die Zahlen horrend an“, bestätigt Michael le Clerque, Leiter des Schulpsychologischen Dienstes. Die Smartphones verändern auch das Sozialverhalten, in der Pause stehen die Schüler alle mit ihren Smartphones auf dem Schulhof. Darauf haben die Schulen reagiert: An der Marienschule ist das Handy nur noch in der Mensa erlaubt. Videos dürfen auf dem Schulgelände nicht gedreht werden. Regelmäßig werden die Schüler bei der Mediennutzung geschult. Auch das Projekt der Medienscouts dient dazu: an diesem nehmen beispielsweise das Berufskolleg Rheydt-Mülfort und die Marienschule teil. Hier werden ältere Schüler als Medienscouts ausgebildet.

An der Gesamtschule Stadtmitte herrscht rigoroses Handyverbot. Werden die Schüler damit erwischt, kassieren die Lehrer das Handy für eine Woche ein. „Das finden wir auch wichtig. Gleichzeitig versuchen wir auf Prävention zu setzen“, erklärt Christoph Riedl, didaktischer Leiter der Gesamtschule Stadtmitte. Bislang sind die Schüler dort erst maximal in der achten Klasse. „Gerade in der Oberstufe wird das sicherlich noch einmal Thema.“

„Sehr viele Eltern machen sich da Sorgen“, bestätigt Kiewitt. Die Eltern zögen sich oft zurück, da sie selbst wenig Ahnung von den Funktionen der Smartphones hätten. Neben Jugendschutz-Einstellungen auf dem Smartphone sei es der beste Weg, den Dialog mit den Kindern zu suchen, „und sich das von den Kindern einfach mal zeigen zu lassen“, rät der Polizist.