Demo im Ratssaal: 23 Sozialarbeiter zittern um Job

Demo im Ratssaal: 23 Sozialarbeiter zittern um Job

Das Geld für die Mitarbeiter verschwand im Haushalt. Resolution an die Bundesregierung.

Sie leisten viel und sind gefragt. 23 städtische Schulsozialarbeiter machen einen guten Job — das sagt selbst Stadt-Sozialdezernent Michael Schmitz (CDU). Doch den vorwiegend jungen Leuten droht Ende 2013 die Beendigung ihrer befristeten Tätigkeit. Im Hauptausschuss gab es zum Thema Schulsozialarbeit eine heftige Diskussion. Der Antrag der CDU, das Projekt bis Ende Juli 2015 fortzusetzen, fand bei der Polit-Ampel keine Mehrheit.

Die Fachkräfte arbeiten nicht nur in Förderschulen, auch in Berufskollegs und Hauptschulen. Das Spektrum ist so groß wie alltäglich. Mal geht es um Schulverweigerer, mal um praktische Lebenshilfe, um Sport, sinnvolle Freizeitgestaltung oder um die Frage: Wie bewerbe ich mich richtig, um eine Lehrstelle zu bekommen. Hausbesuche bei Erziehungsberechtigten gehören ebenso zur Aufgabe wie persönliche Gespräche mit Schülern. „Manche können ihre Gefühle gar nicht benennen, dann helfen wir“, sagt ein Sozialpädagoge.

Nun hat die Bundesregierung statt der Erhöhung der Hartz-IV-Sätze ein befristetes Programm aufgelegt, das Bildungs- und Teilhabe-Paket heißt. So wolle man Kindern wie Jugendlichen aus Familien mit weniger Einkommen „unter die Arme greifen“.

Ob in Form von Förderunterricht, Ferien-Freizeiten, bei der Übernahme von Mitgliedsbeiträgen etwa im Fußballverein oder für das Angebot „Box-Training“ (Motto hier: Wer boxt, schlägt nicht).

Aus welchen Gründen auch immer wurde längst nicht alles „Paket-Geld“ abgerufen. Von den insgesamt 4,6 Millionen Euro waren es lediglich 1,85 Millionen Euro. Blieben 2,75 Millionen übrig. Die wiederum sollten nach dem Willen von CDU und Personalrat der Stadt zur Fortsetzung der Schulsozialarbeit über 2013 hinaus ausgegeben werden. Frank Heller (Betriebsrat): „Moralisch stehen den Kindern diese restlichen Millionen zu.“

Das Geld verschwand aber im städtischen Haushalt. Kämmerer Bernd Kuckels (FDP) versicherte, dies sei kein verbotener Vorgang.

Um die Tätigkeit der Sozialarbeiter bis Juli 2015 verlängern zu können, fehlen exakt 1,4 Mio. Euro. Würde man sie bereitstellen, geriete die hoch verschuldete Stadt noch mehr in die Miesen, sagt etwa SPD-Fraktionschef Lothar Beine. Er kündigte für den Stadtrat im Rheydter Rathaus am Mittwoch einen Ampel-Antrag an, der die schulische Sozialarbeit und damit die Jobs retten könnte. Parallel verabschiedete man eine Resolution mit dem Inhalt, die Bundesregierung solle Geld geben, damit diese Sozialarbeit auf Dauer möglich ist.

Stadt-Personalrat und Verdi planen am 13. März, 15 Uhr, eine Demo.

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