Das Gasthaus „Vitrine“ kommt unter den Hammer

Das Gasthaus „Vitrine“ kommt unter den Hammer

Seit Januar steht die jahrzehntelang beliebte Event-Location leer. Weil sich kein Betreiber findet, gibt es jetzt eine Zwangsversteigerung.

Generationen haben in dem Lokal ihre Familienfeste gefeiert — von Taufen bis zu Beerdigungen. Bei Hochzeitsgesellschaften war die Gaststätte beliebt, auch weil der Park und der Musikpavillon eine schöne Kulisse für Fotos boten. Doch seit Anfang des Jahres ist das „Gasthaus am Schmölderpark“ verwaist. Im Biergarten stehen noch ein paar Stühle und Sonnenschirme. Aber die Tafeln, auf denen sonst die Angebote des Tages standen, sind blank geputzt.

Die letzten Pächter, das Ehepaar Nowakowski, hatten das Restaurant mit Biergarten zuletzt fast 30 Jahre lang geführt. Doch dann war die Betreibergesellschaft in Insolvenz geraten, und das bedeutete das „Aus“ für die Traditionsgaststätte. Seit Januar ist sie geschlossen.

Neue Interessenten für das idyllisch gelegene Gebäude aus den 1950er Jahren soll es gegeben haben. Aber zum Kauf konnte sich niemand entschließen. Schon als Peter Nowakowski die Immobilie 1988 auf Erbpachtbasis von der Stadt erwarb, hatte es einen Sanierungsstau gegeben. An dem Haus, das zuvor auch schon einmal drei Jahre lang leer gestanden hatte, gab es so viel zu tun, dass es das Ehepaar auch in den 30 Jahren nicht schaffte, alles zu renovieren. So ist die Gaststätte beispielsweise nicht barrierefrei und entspricht auch in vielerlei anderer Hinsicht nicht den heutigen Anforderungen. Die Toiletten im Keller sind ebenfalls renovierungsbedürftig. Außerdem hatte das Pächter-Ehepaar langfristige Verträge mit Bierlieferanten abgeschlossen, die bei einer Übernahme weiter Bestand gehabt hätten. Das waren für potenzielle Investoren wohl zu viele Verbindlichkeiten.

Jetzt wird das Haus zwangsversteigert. „Das Verfahren ist bereits eingeleitet“, sagt Nowakowskis Rechtsbeistand, der CDU-Politiker Dieter Breymann. Als Kommunalpolitiker ist er daran interessiert, dass die Immobilie als Restaurant weitergeführt wird und das möglichst bald. „Sonst werden wir dort Probleme mit Vandalismus bekommen“, sagt er.

Karl Sasserath, Grünen-Fraktionschef

Ähnlich sieht es Grünen-Fraktionschef Karl Sasserath, der Mitte April eine schriftliche Anfrage an den Oberbürgermeister zur Zukunft der Vitrine stellte, bis jetzt aber noch keine Antwort erhalten habe, wie er sagt. „Das Gasthaus sollten wir auf keinen Fall vollkommen dem freien Markt überlassen“, sagt er. Für viele Menschen aus dem Süden der Stadt sei das Objekt identitätsbildend — eben weil dort auch viele Familienfeiern stattgefunden hätten. Sasserath geht davon aus, dass die Stadt ein vertraglich festgelegtes Vorkaufsrecht hat. Das sollte sie seiner Ansicht nach nutzen, um die Zügel in der Hand zu behalten. Zumindest als ersten Schritt. Wichtig sei schließlich, einen neuen Betreiber für das Gasthaus zu finden, der die notwendigen Referenzen und Erfahrungen vorweisen kann. Wie Christina Schnoklake, Sprecherin der für das Grundstück zuständigen EWMG sagt, sei die Nutzung des Gebäudes als Restaurant vertraglich festgehalten. Doch was aus dieser Bestimmung bei der Zwangsversteigerung werde, müsste juristisch noch geklärt werden. Ein Termin für die Versteigerung steht noch nicht fest.

Die Rheydterin Petra Guerra hat Sorge, der Schmölderpark könne während der Schließung der Gaststätte verwahrlosen und wandte sich an OB Reiners: „Das Erscheinungsbild im Park hat sich negativ verändert. Vielleicht wäre eine regelmäßige Präsenz des Ordnungsamtes nützlich.“