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Corona in Mönchengladbach: Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwoch, 28. Oktober, bei 103,2

Corona-Entwicklung in Mönchengladbach : Soldaten helfen im Gesundheitsamt

Die Sieben-Tage-Inzidenz hat in Mönchengladbach die 100 überschritten. Die Infektionsketten lassen sich immer schwieriger verfolgen. Die Bundeswehr soll ab Montag das Gesundheitsamt verstärken. Jetzt kommt ein neuer Lockdown. Was bedeutet das für die Stadt?

Die Zahl der Corona-Infizierten steigt weiter. Am Mittwoch lag sie in Mönchengladbach bei 318. Im Vergleich zum Vortag verzeichnete das städtische Gesundheitsamt 42 neue positive Nachweise. Die Stadt will nun den Erlass des Landes abwarten und entsprechende Maßnahmen umsetzen. Darüber hinaus seien auch noch zusätzliche Allgemeinverfügungen möglich, wie zum Beispiel eine erweiterte Maskenpflicht in Außenbereichen. „Wir werden sehen, ob eine Ausdehnung erforderlich ist. Jetzt kann man dazu noch nichts sagen“, sagte Stadtsprecher Wolfgang Speen am Mittwoch.

Entwicklung der Corona-Zahlen

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun auch in Mönchengladbach bei mehr als 100. Innerhalb der vergangenen Woche infizierten sich nach Angaben der Stadt Mönchengladbach 103,1 Menschen pro 100 000 Einwohner mit dem Coronavirus. Seit März wurde das Virus bei 1621 Mönchengladbachern nachgewiesen. Davon sind 1250 Menschen wieder gesund. Sechs Personen mehr als am Vortag mussten in Quarantäne. Die Zahl der abgeschirmten Bürger liegt am Mittwoch bei 1143. 34 davon sind zur Behandlung in einem Krankenhaus, elf lagen am Nachmittag laut dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) auf einer Intensivstation, acht von diesen Patienten waren so schwer erkrankt, dass sie beatmet werden mussten. Damit waren rund 11,6 Prozent der aktuell in den vier Akutkrankenhäusern der Stadt verfügbaren Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Dem Register zufolge, in das die Kliniken täglich ihre Meldung einspeisen müssen, waren am Mittwochnachmittag stadtweit noch 18 Intensivbetten frei.

Verstärkung für das Gesundheitsamt

Dass es Hilfe geben muss, ist schon seit einigen Tagen im Gespräch. Nun ist auch klar, in welcher Form: Die Bundeswehr soll die Mitarbeitenden im Gesundheitsamt ab Montag bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsfällen unterstützen. „Zehn Soldaten vom Luftwaffentruppenkommando Köln/ Wahn nehmen ab dann ihre Arbeit auf“, teilt die Stadt mit. Man erhoffe sich davon auch eine Entlastung der Mitarbeiter, so Stadtsprecher Speen. Diese seien „seit Monaten rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche in der Kontaktverfolgung tätig“. Die personelle Verstärkung bei der Verfolgung der Infektionsketten sei auch deshalb wichtig, weil es mittlerweile eine „Flächenentwicklung“ gebe, die die Arbeit immer schwieriger mache.

Gastronomie

„Wir haben die politische Entwicklung so vorausgesehen“, sagt Gregor Herzog vom Zirkus Messajero. „Ich sehe die Eventbranche und Gastronomie als Zielscheibe. Diese Ersatzhandlungen sind so nicht zielführend.“ Die Sperrstunde mache den Restaurantabend kaputt, doch die Leute feierten zu Hause weiter oder fühlten sich unwohl, weil sie hinausgeworfen würden. „Ich bin ziemlich verzweifelt, die Situation ist katastrophal“, sagt der Inhaber. „Man könnte meinen, die Gastronomie soll bekämpft werden und nicht das Virus. Dabei geben wir doch alles, um die Hygienemaßnahmen einzuhalten und bei uns alles zu tun, um das Virus zu stoppen.“

Auch Marco Raspe, Sprecher des Clubs der Wirte, nennt es eine „Katastrophe“. „Wir haben uns monatelang auf die Coronaschutzmaßnahmen eingestellt und jetzt das.“ Besonders betroffen seien die vielen 450-Euro-Kräfte in der Gastronomie, die nun ihren Job verlieren und keinen Anspruch auf finanziellen Ausgleich haben.

Kultur

Angespannte Ruhe herrscht im Kultursektor: Die neuen Corona-Maßnahmen werden mit großer Sorge erwartet. Sollten die jetzt öffentlichen Entwürfe sich bewahrheiten, müssten Theater, Kinos und Konzertsäle schließen.

Generalintendant Michael Grosse äußere sich erst, wenn die verbindliche und schriftliche aktuelle Corona-Schutzverordnung für NRW vorliege, die auf den Beratungen von Mittwoch fuße, hat das Theater Krefeld-Mönchengladbach bekannt gegeben. So lange heißt es bis voraussichtlich Anfang kommender Woche: „Kulturbetrieb as usual“ – unter Corona-Bedingungen. Besonders am Herzen liegt dem Theater die für Sonntag in Krefeld geplante Premiere von Samuel Becketts „Endspiel“. Sie soll ebenso stattfinden wie die Veranstaltungen in Mönchengladbach, darunter ein Gastspiel, das Ballett „Dis-tanz“ und die Corona-Revue „Alle maskiert“.

Bei der Stadtverwaltung rechnet man nicht vor Anfang kommender Woche mit tragfähigen Vorgaben für den Kulturbereich. „Ich glaube nicht, dass sich vor dem Wochenende etwas ändert. Wir sitzen gerade alle sehr unruhig da und warten“, sagt Meike Wehner, Sprecherin der Stadt. Solange es nur Entwürfe gebe, werde man keine „Glaskugelleserei“ betreiben, ist die Maxime des Kulturdezernats um den Beigeordneten Gert Fischer.

Für den Kulturbetrieb werde es sehr auf die Detailfragen ankommen, sagt Meike Wehner. Beispiel Musikschule: Wird sie dem Bildungssektor oder der Freizeitgestaltung zugeordnet? Als Freizeitangebot würde sie geschlossen, als Bildungsangebot könnte sie vielleicht geöffnet bleiben.

(are/RP)