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Chemie-Detektiv sucht Sünder

Chemie-Detektiv sucht Sünder

In der „Museums-Uni“ im Rittersaal erfuhren Schüler, wie spannend die Wissenschaften sein können.

Mönchengladbach. Mit einer Art Chemie-Detektiv, den Spuren historischer Umweltsünden in alten Büchern und anderen wissenschaftlichen Fragen hat die „Museums-Uni“ am Dienstag Premiere gefeiert. Rund 120 Schüler versammelten sich im Rittersaal des Museums Schloss Rheydt. Sie ließen sich von Professor Dr. Jürgen Schram in die Geheimnisse seines Fachbereichs, der instrumentellen und chemischen Analytik, einführen.

Was so sperrig klingt, erwies sich als faszinierende Detektivgeschichte. Der Professor der Hochschule Niederrhein erläuterte den Schülern ein von ihm entwickeltes Verfahren, mit dem man historischen Umweltverschmutzern auf die Spur kommen kann.

Dazu wird das Papier alter Bücher analysiert. Denn die Papierbände haben im Laufe der Jahrhunderte Schadstoffe aus der Luft aufgenommen, die sich heute nachweisen lassen. Ebenso kann man feststellen, ob das Flusswasser, das zur Papierherstellung verwendet wurde, mit Schwermetallen belastet war.

„Anhand von Büchern, die im 18. Jahrhundert in Amsterdam gedruckt wurden, können wir nachweisen, dass das Wasser damals dort hochgradig bleihaltig war“, erzählt Schram. „Die Papierfasern haben bei der Herstellung das Schwermetall aus dem Wasser aufgenommen.“

Die Ergebnisse seiner Forschung können für Historiker interessant sein, aber darum geht es Schram nicht in erster Linie. „Es geht darum, die Vergangenheit zu kennen, um auf wissenschaftlicher Basis Aussagen über die Zukunft machen zu können“, erklärt der Chemiker. Voraussagen über den Klimawandel könnten nur gemacht werden, wenn man die Daten der Vergangenheit zugrunde legen könne.

Der Vortrag Professor Schrams war der erste in der neu gestarteten Reihe der „Museums-Uni“. Sie geht auf eine Idee des Museumschefs Dr. Karlheinz Wiegmann zurück. „Ich wollte das Projekt der Kinderuni auf Gladbacher Verhältnisse übertragen“, erzählt er. In der Hochschule Niederrhein hatte er schnell einen engagierten Partner gefunden. In enger Absprache mit den Schulen entstand dann das Programm. Es wendet sich an Schüler der Sekundarstufe I und II und will vor allem eins: Begeisterung für die Wissenschaften wecken.

Sechs Professoren der Hochschule Niederrhein und zwei Gastreferenten werden in den kommenden vier Wochen ein breites wissenschaftliches Spektrum abdecken: von der ägyptischen Hieroglyphenschrift bis hin zur Frage, warum unser Gehirn Schokolade liebt. Die Premiere gelang: Die Schüler spendeten am Ende des Vortrags tosenden Beifall.