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Borussia trainiert Trainer aus China

Borussia trainiert Trainer aus China

Durch das Engagement soll die Marke Borussia auf dem chinesischen Markt bekannter werden. Dafür eröffnet der Verein ein Büro in Shanghai.

China ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswerter Markt — rückt aber verstärkt auch fußballerisch in den Fokus. Zum zweiten Mal hat der Staatspräsident der Volksrepublik nämlich das Ziel ausgegeben, dass China 2050 fußballerisch zur Weltspitze gehören soll. 200 000 Fußballstadien und -schulen sollen bis dahin gebaut werden, 25 000 Klubs sollen entstehen. Vor allem die Jugend soll damit angesprochen werden. Den Nachwuchs nachhaltig fördern — „das passt zu unserer Fohlenphilosophie“, sagt Stephan Schippers, Borussias Geschäftsführer. Diese Philosophie will der Klub künftig auch nach China transferieren.

Foto: Raupold

Stephan Schippers, Geschäftsführer bei Borussia Mönchengladbach

Das sieht vor, in Mönchengladbach chinesische Trainer auszubilden, die ihr Wissen im Sinne des Borussen-Geistes an chinesische Kinder und Jugendliche weitergeben. Manager Max Eberl und Schippers betonen die Nachhaltigkeit des Projekts: Beide Seiten sollen davon profitieren: „Wir bilden die Trainer aus, die chinesische Seite muss für die entsprechende Infrastruktur sorgen“, sagt Schippers.

Durch das Engagement soll die Marke Borussia auf dem chinesischen Markt bekannter werden, was sich aufs Merchandising auswirkt, aber den Klub auch für internationale Partner attraktiv macht. Der Markenwert und der Sport stehen im Zentrum. Die Marke „Made in Germany“ zähle in China sehr viel, garantiere Qualität, sagt Peter Hambüchen, Abteilungsleiter für internationale Geschäftsentwicklung bei Borussia.

Damit das Ganze aufgeht, ist in China eine ständige Kontaktpflege nötig. Deshalb eröffnet Borussia jetzt ein eigenes Büro in Shanghai, wo sie unter „Borussia Mönchengladbach Sport Development Ltd.“ firmiert. Dies deshalb, weil Kommunen in China nicht mit Borussia direkt Verträge schließen können, sondern nur mit einer Firma vor Ort.

85 Quadratmeter groß ist die chinesische Borussia-Dependance, in einem angesehenen, aber nicht zu luxuriösen Stadtteil, nahe des nationalen Flughafens und mit guter Bahnanbindung. Regionaler Schwerpunkt ist die Region um die Stadt Suqian, die mit Mönchengladbach eine Partnerschaft verbindet. Finanziell liege das Investment in einem nicht allzu riskanten Rahmen, betont Schippers.

Er bestätigte derweil, dass das chinesische Telekommunikationsunternehmen ZTE in der nächsten Saison nicht mehr Sponsor der Borussen ist. „ZTE hat das Sponsoring europaweit eingestellt“, sagte Schippers. Die Chinesen waren 2016 als Co-Sponsor bei den Borussen eingestiegen, der damals vereinbarte Zwei-Jahres-Vetrag läuft somit aus. ZTE ist im Handelskrieg zwischen Amerika und China ins Kreuzfeuer geraten.

Das neue Engagement in China ist nicht der einzige Internationalisierungs-Ansatz Borussias. Sie setzt zudem auf Fußball-Camps. 40 solcher Camps wurden bislang punktuell weltweit ausgerichtet, unter anderem in Mexiko, Australien, Asien und den USA. In Zukunft sollen das Franchise-Nehmer vor Ort in Eigenregie übernehmen. Das Pilotprojekt ist die „Borussia Academy“ in Singapur. Vier Camps mit je 120 Teilnehmern pro Jahr sind vereinbart. In Singapur arbeitet Borussia mit der deutschen Schule zusammen.