„Blaue Route“: Anwohner fordern mehr Kontrollen

Auf der Fahrradstraße kommt es oft zu Zoff zwischen Rad- und Autofahrern. Deswegen setzen sich Anwohner für mehrere Veränderungen ein.

„Blaue Route“: Anwohner fordern mehr Kontrollen
Foto: Raupold

Drängeln, Hupen, Schimpfen — auf der „Blauen Route“, Mönchengladbachs erster Fahrradstraße, sind sich Rad- und Autofahrer leider nicht immer einig. Seit September dürfen Zweiradfahrer nämlich mittig der Fahrbahn und nebeneinander fahren — Autofahrer sind hier seitdem die zweitrangigen Verkehrsteilnehmer. Ein Beispiel: Auf der Brucknerallee radelt ein Mann in der Tempo-30-Zone — hinter ihm ein hupender, sichtlich genervter Autofahrer. Er kurbelt das Fenster herunter und ruft: „Fahren Sie doch am Rand.“

Nur eine Auseinandersetzung von vielen, weiß Anwohner Ulrich Pongs. „Zweiradfahrer fühlen sich bedrängt, die Autofahrer sind genervt, weil sie nun langsamer vorankommen.“ Auch wenn große Schilder deutlich darauf hinweisen, dass die Blaue Route eine Fahrradstraße ist, scheint das bei vielen Autofahrern noch nicht angekommen zu sein.

Mit Tochter Hannah und Nachbarin Margret Obenhaus hatte Pongs kürzlich einen Infostand auf dem Mittelstreifen der Brucknerallee aufgebaut. Gemeinsam wollten sie Unterschriften sammeln. Von der Aktion erhoffen sich die Anwohner mehr Aufklärung der Autofahrer darüber, wie sie sich auf der Route zu verhalten haben. „Autofahrer sollten die Radfahrer nicht überholen — sie machen es aber trotzdem“, sagt Pongs. Aber auch mehr Geschwindigkeitskontrollen seitens der Polizei würden benötigt: „Hier hält sich kaum jemand an Tempo 30.“

Das größte Anliegen aber sei die Nutzung des Mittelstreifens, ohne ein Bußgeld zahlen zu müssen — speziell für unsichere, ältere und ganz junge Radfahrer. Denn seitdem es die Blaue Route gibt, darf dieser Teil nicht mehr mit dem Rad befahren werden. Für Anwohnerin Christel Bujupaj ein Grund weniger, diese Route mit dem Rad zu wählen. Ein paarmal traute sie sich auf die Blaue Route — doch es war ihr zu unsicher. „Mit den Autos hinter mir habe ich mich wie ein gehetztes Tier gefühlt. Früher bin ich sehr oft über den Mittelstreifen gefahren. Mit Fußgängern gab es da nie Ärger“, sagt sie.

Hannah Pongs sieht das genauso: „Die Kooperation zwischen Radfahrern und Fußgängern war immer gut. Für Autofahrer und Radfahrer gilt das leider nicht.“ Und die junge Frau weiß genau, wovon sie spricht. Sie wurde kürzlich bereits in einen Unfall verwickelt. Hinter ihr bildetet sich eine Schlange, die Autos hupten, die Fahrer beschimpften sie.

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