Auffangbecken in Rheydt: Mal See, dann wieder Wiese

Auffangbecken in Rheydt: Mal See, dann wieder Wiese

Gegenüber vom Schloss entsteht ein riesiges Auffangbecken gegen Hochwasser.

Mönchengladbach. „Es ist schon ärgerlich, wenn Lkw mit Erdreich über die Straßen fahren, sie verschmutzen und Lärm machen“, sagt Jörg Langner vom Niersverband. Doch man dürfe nicht außer Acht lassen, dass das „Hochwasserrückhaltebecken Geneicken“ ab Ende 2014 dafür sorge, dass vor allem in Geneicken und Giesenkirchen „kaum noch“ Keller und Straßen unter Wasser stünden. Wenn es denn wieder mal stark regne.

Seit Jahren ist der etwa 46 Fußballfelder (23 Hektar) große „Wasserschlucker“ in Planung. Jetzt wird er vom Niersverband angelegt. Der hat die Fläche von Landwirten gekauft und lässt mit 30 bis 40 Lastern täglich den Bodenaushub für das Mfi-Shopping-Center Hindenburgstraße nach Rheydt karren.

Das hat zu Unmut vor allem im Routen-Bereich Ritterstraße geführt. Laut Langner ist der Erd-Transport in ein, zwei Wochen abgeschlossen. Dann wurden mehr als 60 000 Kubikmeter bewegt.

Sie werden in die Dämme des Großbeckens eingebaut — auf einer Länge von etwa 2,6 Kilometern rundum. Die Dämme sind je nach Geländelage 0,5 bis 2,4 Meter hoch. Genau genommen besteht das Becken aus zweien. Mittig (siehe Bild: „Polderdamm“) legt man eine auf Knopfdruck durchlässige Spundwand an — sie soll für Dichtigkeit und Standsicherheit sorgen, wenn es stark geregnet hat, und die Wassermassen heranrollen.

Bislang hieß es dann „Land unter“ in Hunderten von Kellern. Doch künftig bilden sich in den Regenwasser-Kanälen keine Rückstaus mehr (und fluten z.B. Keller), sondern das viele Wasser kann ins Geneickener Becken sprudeln.

Hat sich die regennasse Wetterlage beruhigt, verschiebt man ein Wehr (siehe Bild: „Ein- und Auslaufbereich“) — und die Fluten fließen aus dem Kunstsee. Die Folge: Bis auf ein paar kleine Stellen, in denen sich Kleingetier tummeln kann, gleicht der Rückhalteraum meistens einer großflächigen Wiese.

Da im Grubenbereich Relikte aus der Mittelsteinzeit liegen, achten Archäologen bei den Baggerarbeiten darauf, dass diese nicht zerstört werden. Probeweise muss beim Aushub „gesiebt“ werden, was die Fertigstellung verzögere. Die meisten der Fundstücke bleiben da, wo sie schon immer liegen — unangetastet.

Für Freizeitsportler und Radler wichtig: Der attraktive Niersgrünzug von Schloss Rheydt bis Schloss Wickrath bleibt erhalten. Bis zur Inbetriebnahme des Stauraums müssen sie aber mit Sperrungen bzw. Umleitungen rechnen.

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