Alternative zu teuer: Busse fahrenweiter auf der Hindenburgstraße

Alternative zu teuer: Busse fahrenweiter auf der Hindenburgstraße

Ein Gutachten zeigt: Die Busse bergab über die Steinmetzstraße zu leiten, würde Millionen kosten und die Fahrgastzahlen würden sinken.

Das Fazit des Gutachtens ist eindeutig — und lässt keine Zweifel offen: Der Busverkehr auf der Hindenburgstraße wird bleiben. In unvermindertem Maß. Auch bergab wird er künftig nicht über die Steinmetzstraße geführt werden. Denn täte er dies, müsste die Stadt tief in die Tasche greifen.

970 000 Euro würde es kosten, die Infrastruktur — Haltestellen, Busschleusen, Wegweisung, Ertüchtigung Sandradstraße — entsprechend umzubauen. Eine weitere Million müsste an gewährten Fördermitteln zurückgezahlt werden. Und weil die Fahrstrecke länger würde und mit zurückgehenden Fahrgastzahlen zu rechnen wäre, müsste die Stadt zusätzlich ein Defizitausgleich an die NEW in Höhe von 1,1 Millionen Euro zahlen — und zwar jährlich.

Höhere Kosten für einen Busverkehr mit gesunkener Fahrgastnachfrage: Das kann niemand wollen. Aber genau das prognostiziert die Untersuchung der Kasseler Büros Plan:Mobil und Mathias Schmechtig NahverkehrsConsult für den Fall, dass die Busführung bergab abgeändert würde. Sie wurde bereits im Facharbeitskreis ÖPNV-Hindenburgstraße vorgestellt und liegt der Redaktion vor. Zwar handelt es sich um eine vorläufige Arbeitsfassung, die noch der Abstimmung in den politischen Gremien bedarf, doch die Grundausrichtung ist eindeutig.

Daran ändern auch die Vorteile einer Neuregelung nichts, die das Gutachten ebenfalls aufzeigt. So dürfte es positive Auswirkungen für Stadtbild, Außengastronomie und hochwertigen Einzelhandel geben, wenn nur noch die Hälfte der täglich bisher rund 1000 Busse über die Einkaufsstraße brettern würde. Es gäbe auch punktuelle Flächengewinne für die Fußgängerzone, die aber zu vernachlässigen sind, weil eine Fahrgasse für Rettungsdienste ohnehin freigelassen werden müsste. Zudem würde die bisherige Trennwirkung der Busstreckenführung in der Fußgängerzone vermindert.

Allerdings: Zusätzlich zu den Kosten brächte eine Änderung auch weitere Nachteile mit sich. So ergäben sich durch die Vermischung des Bus- mit dem Autoverkehr neue Konfliktpunkte. Die ÖPNV-Erreichbarkeit der Fußgängerzone würde sich verschlechtern. Und bedingt durch diesen Attraktivitätsverlust gehen die Gutachter von einem verringerten Fahrgastaufkommen (bisher knapp 15 000 pro Tag) aus.

Schon im Frühjahr hatte ein Gutachten ergeben, dass die Idee, die Busse ganz aus der Hindenburgstraße herauszunehmen, nicht gangbar ist.

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