Aktion: Kinder suchen Ersatzfamilie

Aktion: Kinder suchen Ersatzfamilie

Die Stadt wirbt um Personen, die Kinder und Jugendliche betreuen. Fallzahlen steigen.

Mönchengladbach. Das kleine Mädchen hat sein Gesicht halb hinter einem knallroten Herz versteckt. „Marie sucht Menschen wie Sie!!“ steht unter dem Foto. Der kleine Junge blickt verschmitzt durch seine Finger: „Junger Spund sucht Familienbund“ ist dieses Bild betitelt und unter dem dritten heißt es: „Hans sucht sein Stück vom Glück“.

In den nächsten zwei Jahren werden diese drei Fotos in Gladbach zu sehen sein: Auf Broschüren, Plakaten, Postkarten, Flyern, Linienbussen und als Megaposter. Dazu kommt als weiteres „Wiedererkennungsmerkmal“ ein Logo, das eine Familie unter einem Schutzschirm in den Gladbacher Farben darstellt — Teile einer gerade gestarteten Kampagne, mit der die Stadt nach Pflegefamilien sucht.

Der Stadtrat hatte die Verwaltung beauftragt, mit Unterstützung der Marketing-Gesellschaft (MGMG) für mehr Pflegeinteressierte zu werben. Hintergrund sind die steigenden Fallzahlen von Kindern, deren Wohl bei den eigenen Eltern gefährdet ist und die deshalb aus ihren Herkunftsfamilien genommen werden müssen. Nicht wenige von ihnen haben Schlimmes erlebt.

Seit 2003 hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen von 200 auf 400 verdoppelt. Dem stehen 380 Personen gegenüber, die bereit sind, langfristig oder vorübergehend Kinder in ihre Familie aufzunehmen: „Diesen Kreis geeigneter Eltern wollen wir vergrößern“, sagt Bärbel Braun vom Stadtfachbereich für Kinder, Jugend und Familie. Ziel sei es, unter mehr passenden Personen auswählen zu können, die dem jeweiligen Pflegekind „ein liebevolles und stabiles Zuhause“ bieten. Die Familien müssten bereit sein, ihren privaten Bereich für „öffentliche Erziehung zu öffnen“, beschreibt Braun ein Anforderungskriterium.

Die Stadt biete allen, die ein Pflegekind aufnehmen, kostenlose Fortbildungs- und Infoveranstaltungen. 200 000 Euro für die Werbung stehen 2011 und 2012 zur Verfügung.

Für Pflegekinder bis sieben Jahren zahlt die Stadt monatlich 458 Euro (Sachleistungen u.a. für Essen, Kleidung), bis 14 sind es 525, ab 14: 678 Euro. Die Person, die ein Kind betreut, erhält 219 Euro/Monat. Eine Heim-Unterbringung wäre im Vergleich dazu rund 3000 Euro/Monat teurer.

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