Ärger in Giesenkirchen — woher kommt das Brummen?

Ärger in Giesenkirchen — woher kommt das Brummen?

Anwohnerin Doris L. fühlt sich von tiefen Tönen um den Schlaf gebracht. Eine Ursache ist bisher nicht gefunden.

Mönchengladbach. Doris L. wohnt seit fast 20 Jahren in Giesenkirchen. Ihre Zweizimmerwohnung in einem Fachwerkhaus an der Straße Ruckes war für sie immer ein Rückzugsort. In diesem Jahr sollte dieses Refugium sogar zum Arbeitsplatz für die 49-Jährige werden.

Nach langer Arbeitslosigkeit wollte sie sich mit einem Onlineshop selbstständig machen. Doch diese Pläne hat sie nun auf Eis gelegt. „Seit Weihnachten kann ich kaum schlafen“, erzählt sie. Der Grund: Ein tiefer, brummender Ton, den sie ständig im Ohr hat. „Es ist kaum auszuhalten, auch Ohrstöpsel helfen nicht. Nachts ist es besonders schlimm“, so L.

Die Krux an der Sache: Der durchgängige Ton, den Doris L. hört, wird von jedem Menschen anders wahrgenommen, nicht jeder kann ihn überhaupt hören. Auch Messgeräte sind nicht immer in der Lage diese so genannten niedrigfrequenten Töne aufzuzeichnen. So schlug ein Versuch des Umweltamtes der Stadt im Haus, in dem Doris L. wohnt, bereits fehl. Das war im vergangenen Spätsommer, denn L. ist nicht die einzige in Giesenkirchen, die das Brummen hört.

„Erstmals habe ich das Geräusch im August 2012 gehört. Ich konnte es da aber noch gut ignorieren“, erinnert sich L. Erst seit den Weihnachtsfeiertagen sei es unerträglich geworden. Am 24. und 25. Dezember hätten sich die Geräusche deutlich verstärkt, berichtet die 46-Jährige und weiter: „Am 26. Dezember war einen Tag und eine Nacht Ruhe. Am 27. ging es wieder los. Seitdem ist an Schlaf gar nicht mehr zu denken.“ Am 28. Dezember stellte sie bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt. Mittlerweile hat sie zwei Anwälte eingeschaltet. Es ist ihr ernst. „Dafür verschulde ich mich auch“, sagt sie.

Als Ursache der Lärmbelästigung vermutet Doris L. das Randgebiet des Gewerbegebietes Erftstraße. Dort produziert die Firma FSP, Frischsaft Produktions GmbH, Säfte. FSP gehört zu Valensina. Aus dem Unternehmen heißt es, behördliche Messungen hätten keine Beanstandungen ergeben.

Die Anlage sei in einem guten Zustand, bauliche Veränderungen habe es im vergangenen Jahr nicht gegeben, die das Auftreten des Brummtons erklären könnten. Würden Messungen etwas anderes ergeben, würde das Unternehmen sofort handeln. Letzte bauliche Veränderung sei 2011 eine neue Biogasanlage gewesen, mit der Valensina aus Orangenschalen Energie gewinnt.

Hajo Siemes, stellvertretender Bezirksvorsteher Ost, wie auch das Umweltamt sind weit davon entfernt, die Produktion von Valensina als ursächlich zu benennen. „Aber ich bin sauer auf die Verwaltung wegen deren Strategie des Verzögerns“, sagt Siemes.

Immerhin hat er einen kleinen Teilerfolg zu vermelden: Nachdem er Ende Januar in der Sitzung der Bezirksvertretung Ost eine Anfrage an die Verwaltung gestellt hat, wurde nun ein neuer Termin zur Messung des Geräuschpegels für Aschermittwoch angekündigt.

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