400 GE-Mitarbeiter protestieren

400 GE-Mitarbeiter protestieren

In der Belegschaft herrscht eine Mischung aus Wut und Trotz, seit die Schließungspläne bekannt sind.

Stefan Dreßen kennt jeden Transformator, der das Werk von General Electric Grid Solutions an der Rheinstraße verlässt. Er arbeitet in der Endmontage, „verheiratet“ Aktivteile mit Kesseln. Seit fast 29 Jahren arbeitet er in dem Werk, aber noch nie hat er sich so gefühlt wie im Moment: „Wie Freiwild der Finanzmärkte.“ Er müsse jetzt mit 53 neu anfangen. „Das ist eine harte Nuss“, sagt der Vater eines drei Jahre alten Sohnes. Wie soll er künftig das Haus bezahlen? Solche Dinge gehen ihm wie allen anderen 370 Kollegen des Werks durch den Kopf.

Seit der Beschluss des amerikanischen Konzerns bekannt wurde, das Mönchengladbacher Werk 2019 schließen zu wollen, herrscht an der Rheinstraße eine Mischung aus Wut und Trotz. Wut über „Gier“ der Anderen da drüben, auf der anderen Seite „des großen Teichs“, wie viele Mitarbeiter das bei der Protestkundgebung am Werkstor mit rund 400 Beschäftigten aus Mönchengladbach und Kassel nennen. Auf einem Transparent am Werk steht „371 Mitarbeiter gefeuert, Aktionäre erfreut“. „Wir haben es hier mit Heuschrecken zu tun“, schimpft Reimund Strauß (IG Metall) auf der Bühne. „GE will gehen, wir bleiben!“

Der Schock sei schnell dem Trotz gewichen, sagt Betriebsratschef Falk Hoinkis: „Durch die Belegschaft ist ein Ruck gegangen. Im Werk drehen sich die Maschinen, die Kollegen bringen weiter fantastische Leistung — nicht für GE, sondern für den zukünftigen Besitzer.“ Die Hoffnung ist groß, dass das profitable Werk für einen Investor interessant sein könnte. „Geht das GE-Management dann nicht auf einen Investor ein, brennen hier die Tonnen.“

Politiker von SPD, CDU und Grünen nahmen an der Kundgebung teil, ebenso wie Regionaldekan Ulrich Clancett und Superintendent Dietrich Denker. Für Mitte Februar ist eine Großkundgebung durch die Mönchengladbacher Innenstadt geplant.

Dass dies keine leeren Worte sind, das weiß Michael Gehlen (41) sehr gut. Er ist seit einem halben Jahr als Montageschreiner engagiert. „Ich habe anderthalb Jahre als Leiharbeiter um eine Festanstellung gekämpft“, sagt der zweifache Familienvater: „Ich habe noch nie eine Firma gesehen, wo die Mitarbeiter mit so viel Herzblut dabei sind.“ Ein paar Meter weiter steht Karl-Heinz Hütz (78). Mehr als 40 Jahre hat er in dem Werk gearbeitet, 25 davon als Meister. Seit 17 Jahren ist er Rentner, aber von den Kollegen kam er nie los. „Ich habe so viele von den jungen Kollegen hier eingestellt.“ Die Nachricht von der Schließung sei ihm an die Nieren gegangen: „Wir haben hier harte Zeiten erlebt. Aber wir haben immer gekämpft und rund um die Uhr gearbeitet, wenn es darauf ankam.“

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