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1500 Teilnehmer beim Warnstreik in Gladbach

1500 Teilnehmer beim Warnstreik in Gladbach

Mitarbeiter der Metall- und Elektroindustrie verliehen ihren Forderungen gestern Nachdruck.

Der rote Luftballon in Form der Zahl sechs fliegt über den Sonnenhausplatz. Am Boden beobachten die Streikenden seinen Weg gen Himmel bis er hinter dem Minto verschwindet.

Damit sich die Forderung nach sechs Prozent mehr Gehalt nicht in Luft auflöst, haben sich rund 1500 Arbeitnehmer der Metall- und Elektroindustrie am Vormittag in der Innenstadt zu einem Warnstreik zusammengefunden. Sie starten auf dem Geroplatz und ziehen weiter über die Flieth- und Rathenaustraße, überqueren den Bismarckplatz und die Fußgängerzone. Die IG Metall hat zu der Aktion aufgerufen.

Die Beschäftigten von der SMS Group, Sempel aber auch Mitarbeiter der angeschlagenen Werke von Schorch ATB und General Electric Grid (GE) wollen Druck ausüben. Druck auf ihre Arbeitgeber. Die wollen nur zwei Prozent mehr auszahlen.

Geld ist aber nur ein Streitpunkt; das Forderungspaket ist größer. „Flexibel heißt nicht immer mehr, sondern auch hin und wieder weniger arbeiten zu können“, ruft Bezirksleiter der IG Metall NRW, Knut Giesler, ins Mikrofon. Ein Chor aus Pfeifen und Hupen stimmt ein. Die Gewerkschaftsführer fordern das verbriefte Recht einer Teilzeitwoche. Zudem sollen Beschäftigte einen Entgeltzuschuss bei verkürzter Arbeitszeit erhalten — etwa wegen Kindererziehung oder Pflege. Für die Arbeitgeber ist die Teilzeitlösung nicht umsetzbar, die Auftragsbücher sind voll.

Nach der gescheiterten dritten Verhandlungsrunde in der vergangenen Woche ist die Stimmung aufgeheizt. Das Angebot der Arbeitgeber sei dürftig gewesen und auf andere Forderungen sei niemand eingegangen, resümiert Giesler, der als Verhandlungsführer in den Gesprächsrunden sitzt. „Zwei Prozent mehr Gehalt bei der wirtschaftlichen Lage — das ist ein Hohn“, sagte er. Der Bezirksleiter warnte die Unternehmerseite: „Wir gehen ohne eine Lösung für das gesamte Forderungspaket nicht aus der Tarifrunde.“ Deshalb könne die nächste Eskalationsstufe bereits kommende Woche folgen: 24-Stunden-Warnstreiks.

„Tagesstreiks wollen wir natürlich vermeiden“, sagte Carsten Bassy von der Unternehmerschaft der Metall- und Elektroindustrie Mönchengladbach. „Wir wollen auch verhandeln, aber eben deutlich anders als die IG Metall.“

Die Beschäftigten von GE Grid treibt zudem die Sorge um das Thema Arbeitslosigkeit um. Sie hoffen, dass das Trafo-Werk nicht geschlossen wird.