Traditionslokal in Mönchengladbach Inhaberin möchte das „Richard Wagner“ als Kneipe sehen

Mönchengladbach. · Derzeit dient das urige Lokal als Lager für einen Trödelhandel. Es gibt aber Interessenten.

 Uschi Schneider sieht im „Richard Wagner“ das Potenzial, wieder zur beliebten Kneipe zu werden.

Uschi Schneider sieht im „Richard Wagner“ das Potenzial, wieder zur beliebten Kneipe zu werden.

Foto: Bauch, Jana (jaba)

Die ersten Gäste bekamen im Jahr 1900 im „Richard Wagner“ ihr Bier serviert. Erbaut hatte das schmucke Haus an der Richard-Wagner-Straße die Schlösser-Brauerei. Wer an den gravierten Glastüren genau hinschaut, findet dort auch heute noch den Schriftzug der Brauerei.

Vor mehr als 29 Jahren kam Uschi Schneider das erste Mal durch diese Türen und fühlte sich dahinter an der Theke so wohl, dass sie Stammgast wurde. Bald wechselte sie hinter die Theke und betrieb ihr „Richard Wagner“ 15 Jahre lang. In den vergangenen 14 Jahren sah sie nicht nur Gäste, sondern auch Pächter kommen und gehen. Heute herrscht in der Gladbacher Kultkneipe Leerstand. Wobei das Wort es kaum trifft. Zwar gibt es derzeit keinen Gastronomiebetrieb mehr, aber dafür stapeln sich auf Tischen und Stühlen allerhand Trödel, denn Schneider betreibt mit ihrer Zwillingsschwester Micha einen Flohmarkt. Trotzdem würde Richard Wagner-Eigentümerin Uschi Schneider den Schlüssel gerne weitergeben, damit hier schon bald wieder statt Trödel Essen und Getränke auf die Tische kommen.

Schneider will das „Richard Wagner“ einschließlich der darüber liegenden Wohnung verkaufen. Interessenten gab es bereits, auch einen, der die Immobilie komplett umgenutzt und dort Büroflächen geschaffen hätte. Andere würden gerne die Tradition des Hauses fortführen und den Gaststättenbetrieb aufleben lassen. Bislang konnten sich die meisten nur vorstellen, einen Pacht- und keinen Kaufvertrag zu unterschreiben. „Der Verkaufspreis richtet sich ausschließlich nach der Immobilie, das Inventar würde ich an den neuen Besitzer einfach weitergeben“, erklärt Schneider. Inzwischen hat sie einen Makler beauftragt.

Die Gastronomiewirtschaft hat insgesamt zunehmend Probleme

Vieles, was das „Richard Wagner“ jahrelang erfolgreich gemacht hat, ist unverändert: Die Hochschule Niederrhein liegt nur wenige Gehminuten entfernt und ist in den vergangenen Jahren sogar gewachsen. Ebenfalls fußläufig erreichbar gibt es Geschäfte, und natürlich leben noch etliche Menschen hier im Viertel, die in der Vergangenheit oft hier waren. „35 Jahre gab es hier an Heilig Abend einen Frühschoppen, der war immer mehr als brechend voll“, erinnert sich Uschi Schneider. Auch die Feiern zu Nikolaus und Ostern waren immer etwas Besonderes für die Kinder. „Auch das war mehr als ausgebucht“, so Schneider.

Dass es trotz mancher kreativer Angebote und Aktionen für Wirte heute schwieriger ist, eine Kneipe zu führen als es noch vor einigen Jahren der Fall war, davon sind beide Schneider-Schwestern überzeugt. Immer mehr und komplizierter umzusetzende Auflagen würden es den Betreibern schwer machen, und auch das Nichtraucherschutzgesetz habe der Kneipenlandschaft nicht gut getan. Auch die Suche nach geeignetem Personal gestalte sich zunehmend schwierig.

Trotzdem hätten Kneipen eine Zukunft, davon sind sie überzeugt. Rein technisch wäre das urige „Richard Wagner“ dafür gerüstet, denn auch wenn Besuchern in den vergangenen Jahren kaum größere Änderungen aufgefallen sein mögen, so hat Schneider die Technik hinter den edlen Holzvertäfelungen auf den neuesten Stand bringen lassen und dabei auch immer wieder Teile des Mobiliars ausgewechselt oder restaurieren lassen. Ein Interessent, der nicht aus Mönchengladbach stammte, sah beim „Richard Wagner“ ein ganz anderes Problem: Es sei sehr abgelegen. Ihm riet Uschi Schneider zu einem einfachen Experiment: „Gehen Sie an den Hauptbahnhof und fragen irgendjemanden nach dem ,Richard Wagner’. Sie werden sehen: Jeder kennt es.“