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Mönchengladbach: OB Felix Heinrichs will Absage von Xavier-Naidoo-Konzert

Umstrittener Auftritt in Mönchengladbach : Heinrichs gegen Naidoo-Konzert

Der SPD-Politiker hofft noch auf eine Absage der umstrittenen Veranstaltung im Sparkassenpark. Die hat es woanders zwar gegeben, aber keine Verbote.

Ulm, Regensburg, Berlin, Rostock, Mannheim, Mönchengladbach: Alle diese Städte sind Stationen der „Hin und weg“-Tour von Xavier Naidoo, die am 4. Juni in Mönchengladbach starten und im Oktober in Mannheim enden soll. Nach den Absagen dreier Bands für das Corinna-Festival zwei Tage nach Naidoos Konzert im Sparkassenpark kritisiert Oberbürgermeister Felix Heinrichs (SPD) den Auftritt des umstrittenen Sängers in der Stadt. „Es ist unstrittig, dass man Xavier Naidoo keine Bühne geben sollte. Es hat mich betroffen gemacht, mit welcher Leichtigkeit die erhobenen Einwände abgetan wurden“, sagte Heinrichs. „Xavier Naidoo steht nicht auf dem Grund unserer Demokratie, und ich hätte es gut gefunden, wenn man sich im Verein Corinna von Anfang an klar distanziert hätte.“ Heinrichs betonte, er wäre froh, wenn Naidoo nicht in Mönchengladbach auftrete: „Sollte das Konzert wegen Corona noch einmal verschoben werden müssen, dann hoffe ich, dass es eine Möglichkeit zur Absage gibt.“

Naidoo werden Sympathien für Reichsbürger, das Verbreiten von Verschwörungstheorien, aber auch antisemitische Tendenzen vorgeworfen. Im vergangenen Jahr flog Naidoo nach einem rassistisch aufgefassten Video aus der Jury der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Naidoo bestritt Rassismus. Nach anderen Beiträgen im Sommer wurde ihm zudem vorgeworfen, Corona-Leugner zu sein.

Angestoßen wurde die Diskussion in Mönchengladbach durch die Bands „All Aboard“ und „Birk“. Sie hatten sich geweigert, zwei Tage nach Naidoo im Sparkassenpark beim Festival der Initiative Corinna zugunsten der Kulturszene aufzutreten. Kurz darauf sagte auch die Punkband „Die Strafe“ mit Borussias Stadionsprecher Torsten Knippertz ihren Auftritt ab. In der Debatte geht es um zwei Punkte: Darf man einem Musiker wie Naidoo eine Bühne bieten? Gibt es einen Interessenskonflikt beim Verein Corinna, wenn Sparkassenparkchef Michael Hilgers – der bereits 2018 mit Naidoo den Auftritt vereinbarte – auch erster Vorsitzender der Initiative ist?

Andere Städte wehren sich vehement gegen Auftritte

Auch in anderen Orten, die auf dem Tourplan standen, wurde über Naidoos Auftritte diskutiert. Dortmund und Hof stehen nach der Absage im vergangenen Jahr heute nicht mehr auf dem Tourplan. Dortmunds damaliger Oberbürgermeister Ulrich Sierau (SPD) hatte sich vehement gegen das Konzert gewehrt: „Wir wollen Xavier Naidoo nicht in unserer Stadt und auch nicht jene Anhänger seiner Musik, die seine Positionen teilen.“ So kam es auch, wie Stadtsprecher Frank Bußmann mitteilte: „Die Stadt Dortmund hat dem Konzertveranstalter ‚live modus’ im Sommer 2020 den Mietvertrag für die Festwiese im Dortmunder Westfalenpark für das geplante Konzert gekündigt, da infolge der Veranstaltung eine Schädigung des Ansehens der Stadt Dortmund zu befürchten war. Ein förmliches Verbot ist nicht ausgesprochen worden, ein Nachholtermin in Dortmund 2021 war seitens des Veranstalters nicht
geplant.“

Ähnlich war es in der oberfränkischen Stadt Hof. „Wir haben kein Verbot für Xavier Naidoo erlassen, aber da das Konzert auf einem städtischen Platz stattfinden sollte, haben wir beschlossen: Wir wollen das auf unserem Veranstaltungsplatz nicht“, sagt Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD). Auch im Rückblick findet sie: „Wir haben alles richtig gemacht. Es gab viel Verständnis, aber auch viele scheußliche Schreiben aus dem ganzen Bundesgebiet.“ Die Wut-Mails hätten sie aber bestärkt: „Wenn Fans mit ihren Reaktionen solchen Hass verbreiten, dann bestätigt mich das in unserer Haltung.“

In Regensburg hatte sich die Oberbürgermeisterin gegen das Konzert ausgesprochen; der Veranstalter hielt daran fest. In Mannheim, Naidoos Heimatstadt, gab es Kritik an dem Auftritt in der SAP-Arena; die Jusos sammelten 33 000 Unterschriften, aber einen juristischen Rahmen für ein Verbot sah man in der Politik nicht. Ein Verbot kommt auch für Mönchengladbach kaum infrage. Möglich ist aber, dass das Konzert erneut wegen der Corona-Pandemie verschoben werden muss. Sparkassenparkchef Michael Hilgers und Naidoos Agentur waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.