Mönchengladbach: Catella kauft Grundstücke für 2000 Wohnungen in der Seestadt

Wohnungsbau in Mönchengladbach : Der Bau der „Seestadt“ ist perfekt

Die Stadt und Catella haben den Kauf der Grundstücke abgeschlossen. Das wurde auf der Messe Expo Real bekanntgeben.

Bisher gab es nur Absichtsbekundungen rund um die Seestadt. Jetzt ist fix: Der schwedische Investor Catella baut auf dem 14,4 Hektar großen Areal hinter dem Hauptbahnhof in den kommenden zehn Jahren bis zu 2000 Wohnungen. Dazu verpflichtete sich der Investor mit der Unterzeichnung der Kaufverträge über die Grundstücke mit der städtischen Entwicklungsgeesellschaft. In der vergangenen Woche wurden die Vereinbarungen unterzeichnet, wie die EWMG und Catella am Dienstag auf der Immobilienmesse Expo Real in München bekanntgaben.

Mit dem Kauf verpflichtet sich Catella auch dazu, sich an einen städtebaulichen Vertrag zu halten, der spätestens im Dezember im Rat vorliegen soll. Damit wird das größte Wohnungbauprojekt in Mönchengladbach mit einem Gesamtvolumen von rund 750 Millionen Euro nun konkreter.

Was wird gebaut?

Ein Wohnquartier mit einer genau festgelegten Durchmischung, einigen Gewerbeflächen, Gastronomie, zwei Kitas und einem rund 20 000 Quadratmeter großen See. Der städtebauliche Vertrag legt nach Auskunft von Catella-Chef Klaus Franken und Planungsdezernent Gregor Bonin fest, dass 40 Prozent der Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen vorbehalten sind. Konkret sollen zehn Prozent der Wohnungen vom Land gefördert werden und damit mietpreisgebunden für Menschen mit Wohnberechtigungsschein zur Verfügung stehen. Die restlichen günstigeren Wohnungen sind gestaffelt für Einkommensklassen mit geringem und mittlerem Einkommen vorgesehen. Die anderen 60 Prozent der Wohnungen sollen frei vermietbar sein oder verkauft werden – auch an Gutverdiener. „Im Kaufvertrag ist das Ziel eines gemischten Viertels festgelegt“, sagt Bonin. Franken spricht davon, Wohnungen für alle Einkommensklassen, vom Oberarzt bis zum Sozialleistungsempfänger, bauen zu wollen: „Das erachten wir als notwendig für ein stabiles Quartier. Und wir brauchen diese Breite in der Vermarktung.“ Man könne ja keine 2000 Wohnungen nur für Topverdiener bauen.

Wann wird gebaut?

Als Catella 2016 in das Projekt einstieg, war von einem Baubeginn 2018 oder 2019 die Rede. Auch Bonin drängte noch in diesem Jahr auf den Baustart. Daraus wird nichts mehr, aber Klaus Franken will mit dem ersten Bauabschnitt 2020 beginnen. „Wir haben uns am Montag im ersten Vergabegespräch die Baukapazitäten dafür gesichert“, sagte Franken. Dann sollen an der Lürriper Straße 200 Mietwohnungen gebaut werden (noch ohne Eigentumswohnungen und geförderten Wohnungsbau). Und an der Breitenbachstraße neben dem bestehenden Hotel sollen rund 6000 Quadratmeter Gewerbeflächen entstehen. „Wir gehen davon aus, dass die ersten Wohnungen im ersten Halbjahr 2021 bezugsfertig sind“, so Franken.

Wann entsteht der See?

In den darauf folgenden Bauabschnitten soll auch der See abschnittsweise wachsen. Das künstliche Gewässer, die Außenanlagen, Spielflächen, Wege und Grünflächen – eben die gesamten Außenanlagen – kosten laut Catella 50 Millionen Euro. Die überträgt der Investor nachher wieder an die Stadt. Auch das ist Bestandteil des Kaufvertrages.

Wann soll alles fertig sein?

Der Kaufvertrag regelt gewisse Baustufen für die kommenden zehn Jahre. Bis 2030, eventuell früher, soll dann laut Bonin und Franken alles fertig sein. Fraglich ist aber noch, ob dann auch schon das Grundstück des heutigen „Roller“-Marktes an der Lürriper Straße mit einbezogen werden kann. Wie EWMG-Geschäftsführer Ulrich Schückhaus sagte, könnte der theoretisch bis 2038 bleiben. So lange läuft dort der Vertrag. Offen ist aber auch noch eine andere Grundstücksfrage: Denn Catella gehört noch nicht das Areal der heutigen Fußballhalle „Laola“. Das hatte die inzwischen insolvente Mönchengladbacher Baugesellschaft Jessen vor Jahren der Stadt vor der Nase weggekauft. „Das Grundstück ist Teil der Insolvenzmasse“, sagt Schückhaus. Damit hätten Insolvenzverwalter und Gläubiger da auch ein Wort mitzureden. Das macht es für Catella durchaus kompliziert, diesen Boden zu übernehmen. In den Plänen ist diese Fläche aber bereits mit einbezoge 

Was ist mit den anderen Baugebieten in der direkten Umgebung?

Auf dem Reme-Gelände, das nur wenige hundert Meter entfernt ist, baut der Catella-Konkurrent Instone 300 Wohnungen. Darauf hatte sich die Stadt in einem Wettbewerb vergangene Woche festgelegt. Das sorgte für Ärger bei Catella, das sich ebenfalls beworben hatte, aber leer ausging. „Wir haben einen Tag nach Unterzeichnung des Kaufvertrages für die Seestadt-Grundstücke eine dünne Absage ohne Begründung für das Reme-Gelände erhalten“, sagte Klaus Franken verärgert. Was der Konkurrent dort baue, könne auch Auswirkungen auf den Baufortschritt der Seestadt haben. „Man kann nicht zu viele Wohnungen auf einmal auf den Markt bringen“, sagte Franken. Catella selbst hatte aber auch das Seestadt-Projekt erweitert.

Ursprünglich waren 1500 Wohnungen geplant gewesen.In direkter Nähe wird aber noch viel mehr gebaut: Architekt Fritz Otten plant an der Lürriper Straße gegenüber der Seestadt einen neuen Adler-Modemarkt und einen Baumarkt. Die Bema-Gruppe baut das Projekt „19 Häuser“ anstelle von Haus Westland und übernimmt dafür auch Teile des heutigen Busbahnhofs, das Franken als gute Ergänzung ansieht. Und an der Steinmetzstraße (hinter dem heutigen Haus Westland) bekräftigte Architekt Burkhard Schrammen am Dienstag seine Bauabsicht für 135 Mietwohnungen. „Wir werden 2020 mit dem ersten Bauabschnitt beginnen“, sagte Burkhard Schrammen.

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