Mönchengladbach: Ärger um Liefer-Verkehr rund um Amazon Logistikzentrum

Irrfahrten und Notdurft im Feld : Verirrte Anlieferer sorgen für Ärger

Zugeparkte Straßen und Haltestellen sind den Nachbarn ein Dorn im Auge.

Stefan Wilms ist ein sehr engagierter und tatkräftiger Landwirt. Sonst würde er wahrscheinlich auch den Lkw-Fahrern, die sich seit einiger Zeit auf seinen Hof verirren, nicht beim Rückwärts-Rangieren helfen. Die Fahrer wollen nämlich gar nicht nach Wyenhütte, sondern zum neuen Amazon-Logistikzentrum in Rheindahlen. „Aber viele Fahrer finden Amazon nicht“, klagt Wilms. „Die führen nämlich von der Bundesstraße 57 kommend die Abfahrt zum ausgeschilderten Gewerbegebiet Broich runter, das Logistikzentrum bereits vor Augen – und landen dann mitten im Wohngebiet.

Tatsächlich herrscht rund um das Logistikzentrum Hochbetrieb, das liegt nicht nur an den rund 1300 Beschäftigten, die dort bereits arbeiten. Entlang der neuen Straßen „Hamburgring“ ist kaum eine Stellfläche frei für zusätzliche Lastwagen. Die Linienbusse können die Haltestellen nicht anfahren, weil Lkw diese zugestellt haben. Und weil die Stellplätze entlang der Straße nicht reichen, warten die Fahrer in ihren 40-Tonnern eben auch auf der Fahrspur mit der Folge, dass die Straße nur noch in eine Richtung befahrbar ist.

Das bringt aber noch mehr Probleme mit sich. Die Fahrer haben Wartezeiten in Rheindahlen, kommen von weit her, einige schlafen in den Kabinen – und manche verrichten dann auch ihre Notdurft in den Feldern ringsum. „Ich habe schon oft welche mit der Klopapierrolle aus dem Gebüsch kommen sehen“, sagt Wilms.

Viele Fahrer haben die Sanitäranlagen nicht gefunden und erleichterten sich in den Feldern. Foto: Andreas Gruhn

Bei einem Besuch bei Amazon sprachen Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und Bezirksvorsteher Arno Oellers unter anderem diese Probleme in der vergangenen Woche auch an. „Wir haben sanitäre Anlagen eigens für die Lkw-Fahrer, die von außen zugänglich sind“, sagt Standortleiter Ernst Schäffler. Nur waren diese bisher gar nicht ausgeschildert. Amazon versprach Besserung. Inzwischen hängen an den Straßenlaternen entsprechende provisorische Hinweisschilder, die die Fahrer Richtung Toiletten lotsen. Außerdem hat die Stadt inzwischen Mülleimer entlang der Straße montiert.

Dass sich Lkw-Fahrer verfahren, hat auch Bezirksvorsteher Oellers schon beobachtet. Er macht als Grund die bisher nicht eindeutige Beschilderung aus. „Damit wurde leider zu spät begonnen. Wir haben das schon vor einem Jahr besprochen“, sagt Oellers. Auf den gelben Schildern entlang der Bundesstraße 57 steht inzwischen der Hinweis, wohin es zum Gewerbegebiet Hamburgring geht, es fehlt aber ein konkreter Hinweis auf Amazon, wie es ihn andernorts gibt.

Bleibt die große Menge an Lastwagen, die rund um das Logistikzentrum darauf warten, dass sie ihre Artikel abliefern können. Dabei handelt es sich nämlich um Anlieferverkehr. „Im Moment erreichen uns 50 bis 100 Lkw am Tag“, sagt Amazon-Sprecher Thorsten Schwindhammer. „Wir haben derzeit einen sehr hohen Wareneingang, weil es auf die Weihnachtszeit zugeht.“ Derzeit ist im Logistikzentrum erst rund 45 Prozent der Kapazität ausgeschöpft. „Wir arbeiten daran, im Wareneingang feinzujustieren, um die Wartezeiten so gering wie möglich zu halten“, sagt Schwindhammer. Und Standortleiter Ernst Schäffler bekräftigt, dass ihm ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn sehr wichtig sei.

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