NRW: Misshandelte Flüchtlinge in Burbach: Prozessbeginn

NRW: Misshandelte Flüchtlinge in Burbach: Prozessbeginn

Im Fall der monatelangen Misshandlungen von Flüchtlingen in einem Heim in Burbach sitzt nun auch der Leiter der Einrichtung auf der Anklagebank. Das abgetrennte Verfahren gegen den Mann vor dem Siegener Landgericht startet an diesem Donnerstag, wie ein Sprecher sagte.

Der Heimleiter habe ein Geständnis angekündigt. Ein Urteil ist dem Gerichtssprecher zufolge bereits am 22. Januar möglich.

Am 8. November 2018 hatte ein großer Prozess gegen zunächst 30 Wachleute und Sozialbetreuer begonnen. Sie sollen Asylbewerber in der Notaufnahme-Einrichtung des Landes NRW im Siegerland über neun Monate hinweg bis September 2014 eingesperrt, geschlagen und gequält haben. Die Beschuldigten sollen Flüchtlinge schon bei kleineren Verstößen gegen die Hausordnung in „Problemzimmer“ eingesperrt, gedemütigt und misshandelt haben.

Heimbetreiber war ein privates Unternehmen. Auch zwei Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg müssen sich verantworten, weil sie laut Anklage von der Nutzung der „Problemzimmer“ wussten, aber nicht einschritten.

Aktuell richtet sich das große Hauptverfahren noch gegen 26 Beschuldigte. Der Prozess gegen eine Person war am ersten Tag bereits aus formalen Gründen abgetrennt worden. Um das Verfahren zu beschleunigen, wurden später die Fälle von drei Geständigen ebenfalls abgekoppelt: Ein Wachmann wurde im Dezember zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt, zwei weitere Angeklagte zu einer Geldstrafe.

Eine dieser beiden Verurteilten - eine Wachfrau - habe Revision eingelegt, ihr Fall liege beim Bundesgerichtshof, schilderte der Sprecher des Landgerichts. Sie habe zwar die Tat eingeräumt. Aber die als Täterin verurteilte Frau sehe sich nur als „Gehilfin“.

(dpa)
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