Missbrauchsfall Bergisch Gladbach: Polizei nimmt weiteren Verdächtigen fest

Immer mehr Fälle : Missbrauchsfall Bergisch Gladbach - Polizei nimmt weiteren Verdächtigen fest

Je weiter sich die Ermittler durch die Datenberge wühlen, desto mehr Verdächtige treten in dem riesigen Missbrauchsfall zutage. Ein weiterer Mann sitzt nun in Untersuchungshaft - voraussichtlich nicht der letzte.

Die Polizei hat am Mittwochmorgen einen weiteren Beschuldigten wegen des dringenden Verdachts des sexuellen Missbrauchs zweier Kinder festgenommen. Es handelt sich um einen 32 Jahre alten Mann aus Bergisch Gladbach. Der Mann sitze in Untersuchungshaft, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Er soll zwei Kinder missbraucht und kinderpornografisches Material verbreitet haben. Die Kinder sollen 2 und 6 Jahre alt sein.

Kölner Beamten war es im Rahmen der Ermittlung zu ausgewerteten Chats gelungen, den zunächst nur mit „Nickname“ bekannten Tatverdächtigen zu identifizieren. Der Mann macht nach Angaben eines Polizeisprechers von seinem Schweigerecht Gebrauch. Sein Wohnsitz werde durchsucht, hieß es.

Die jüngste Festnahme ist die bislang zehnte in dem Missbrauchsnetzwerk, das insbesondere durch die Beschlagnahmung eines Handys in Bergisch Gladbach ans Licht befördert wurde. Sieben der Festgenommenen, die ihre Kinder oder Stiefkinder sexuell missbraucht haben sollen, stammen aus NRW, einer aus Hessen und einer aus Rheinland-Pfalz. In dem aufgedeckten Netzwerk sollen sie Fotos und Videos vom Missbrauch in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern verbreitet haben.

Bei der Polizei arbeiten sich Hunderte Beamte derzeit durch riesige Datenmengen mit belastenden Fotos und Videos. Die Spur zur neuen Festnahme kam auch aus der Auswertung eines Chats. In NRW gelten neben den Festgenommenen derzeit noch fünf weitere Männer als tatverdächtig. Die bereits bekannten Opfer sind knapp ein bis 14 Jahre alt.

Bundesweit haben die Behörden nach Angaben aus Sicherheitskreisen bislang 20 Opfer und 23 Tatverdächtige identifiziert. In Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg sollen bislang ausschließlich Tatverdächtige entdeckt worden sein, in Hessen, Berlin und Rheinland-Pfalz dagegen Tatverdächtige und Opfer. Die Ermittler gehen von zahlreichen weiteren Tätern und Opfern aus.

Laut polizeilicher Kriminalstatistik sind die Fallzahlen beim sexuellen Missbrauch von Kindern ebenso wie bei der Verbreitung, dem Erwerb, Besitz und der Herstellung kinderpornografischer Schriften in NRW in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. Beim Tatkomplex Kinderpornografie verzeichnet die Statistik von 2016 bis 2018 einen Zuwachs um fast 38 Prozent auf 1412 Fälle.

Auch im laufenden Jahr scheint sich der Trend zu bestätigen: Im ersten Halbjahr gab es in NRW bereits 935 Fälle - mit 878 wurden die meisten Taten aufgeklärt. Allerdings gehen die Behörden von einem hohen Dunkelfeld aus. Das Internet spielt in diesem Tatfeld eine herausragende Rolle, in fast 80 Prozent war es das Tatmittel.

Beim sexuellen Missbrauch stieg die Fallzahl in NRW in den vergangenen drei Jahren um rund 3,8 Prozent auf 2422. Im ersten Halbjahr 2019 wurden bereits 1408 Fälle bekannt und 1175 aufgeklärt. Das Bundesjustizministerium schätzt allerdings, dass das Dunkelfeld in dieser geächteten Tabuzone sogar achtmal so groß ist wie die bekannten Taten.

(red/dpa)