Mehr Fälle von Kindesmissbrauch in NRW

Kriminalstatistik 2018 : Mehr Fälle von Kindesmissbrauch in NRW

Erneut geht die Kriminalität in Nordrhein-Westfalen deutlich zurück. Allerdings trüben höhere Zahlen in einigen Bereichen die aktuelle Statistik.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) beginnt die Pressekonferenz zur Kriminalstatistik für das Jahr 2018 lächelnd: „Sie sehen vor sich einen gut gelaunten Innenminister“, sagt er an diesem Mittwoch im Landtag.

Die Zahl der Straftaten ist auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren, die Aufklärungsquote auf Rekordhoch. Dennoch besorgen Reul Ausreißer: steigende Zahlen bei Mord, Sexualdelikten sowie bei Kindesmissbrauch und Kinderpornografie.

Die Zahl der Straftaten sank um 7 Prozent auf 1.282.441 gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Taten (53,7 Prozent) klärten die Ermittler auf. „Das ist die höchste je gemessene Aufklärungsquote in NRW“, sagt Reul.

Hohe Rückgänge gab es etwa bei der Straßenkriminalität, mit 348.762 Fällen auf dem niedrigsten Stand überhaupt (statistisch ermittelt wird sie seit 1990). Allein der Taschendiebstahl nahm um 17 Prozent ab (41.178 Fälle). Auch die Gewaltkriminalität nahm ab, 45.300 Taten wurden 2018 registriert und damit so wenige wie zuletzt 2001. Auch Fälle von Totschlag gab es weniger (240 statt 252). Allerdings stieg die Zahl der Morde und Mordversuche von 113 auf 140 - ein Plus von rund 24 Prozent, was allerdings auch der relativ niedrigen absoluten Zahl geschuldet ist. Immerhin: Bei einer Aufklärungsquote von 96 Prozent bleibt kaum eines dieser schwersten Verbrechen ungesühnt.

Erneut gingen auch die Zahlen beim Einbruch zurück - von 39.057 auf 29.904 Fälle. Das ist ein Rückgang um fast ein Viertel (23,4 Prozent). Zuletzt gab es 1981 weniger Einbrüche. „Das sind wirklich super Zahlen“, betont Reul - sie seien der strikten Null-Toleranz-Politik sowie guter Ermittlungsarbeit und einer verstärkten Sicherung von Wohnungen und Häusern durch die Menschen in NRW geschuldet, aber wohl auch Faktoren wie der Schließung der Balkanroute, über die mobile Banden aus Osteuropa nach Deutschland gekommen seien.

Das Bild trübt ein Anstieg der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 9,2 Prozent (14.076). Einfluss könnte die Verschärfung des Gesetzes in Bezug auf sexuelle Beleidigungen sein, die jetzt als Sexualstraftat gewertet werden. Aber auch ein durch die öffentliche Aufmerksamkeit geändertes Anzeigeverhalten. „Das ist für die Statistik nicht gut, aber für die Menschen“, meint Reul. Die Zahl der Vergewaltigungen hingegen nahm um 16,5 Prozent ab (2138 Fälle, 83,5 Prozent Aufklärungsquote).

Er selbst stehe noch unter dem Eindruck der schweren Missbrauchsserie in Lütge, sagt der Innenminister. Insofern besorgten ihn steigende Zahlen beim Kindesmissbrauch: 2422 Fälle verzeichneten die Ermittler, 85 mehr als 2017. 1988 konnten aufgeklärt werden. Stärker war das Plus bei den Fällen von Kinderpornografie: um 162 auf 1412. Das allerdings liege auch daran, dass mehr Fälle aufgedeckt würden. Ein Drittel der Täter seien Wiederholungstäter, beim Missbrauch sogar 40 Prozent. Er hoffe auf die neuen Möglichkeiten zur Aufenthaltsbeschränkung für solche Verbrecher durch das neue Polizeigesetz, so Reul.

Besonders besorgt den Minister der hohe Anteil von Ausländern an der Kriminalität: Von 443.068 ermittelten Tatverdächtigen seien 141.063 und somit fast ein Drittel keine Deutschen, darunter 38.835 Zuwanderer aus Krisengebieten (1000 weniger als 2017). Er wisse, dass es gefährlich sei, solche Zahlen zu veröffentlichen, sagt Reul. „Aber verheimlichen und unter den Teppich kehren hilft nicht.“

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