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Meerbusch: Wie sich Corona auf das Weihnachtsgeschäft auswirkt

Einzelhandel in Meerbusch : So läuft das Weihnachtsgeschäft

Die Pandemie stellt den Einzelhandel vor neue Herausforderungen – vor allem in der Vorweihnachtszeit. Wir haben uns bei Händlern umgehört.

. Für den stationären Einzelhandel ist nichts so bedeutsam wie das Weihnachtsgeschäft. Ein Fünftel des Jahresumsatzes wird in dieser Zeit abgewickelt. Große Shopping-Malls, Filialketten und der Online-Handel gehören schon lange zu den Bedrohungen des inhabergeführten Handels, in diesem Jahr kommt noch Corona hinzu. Und das daraus resultierende ausgebliebene Ostergeschäft, das jetzt kompensiert werden muss.

Obwohl die Kaufkraft in Meerbusch sehr hoch ist, wird die Kompensation in diesem Jahr schwierig, weiß Jan Kaiser vom Handelsverband NRW. „Insgesamt verzeichnet der Einzelhandel einen starken Kundenrückgang, das ist auch in wirtschaftsstarken Städten bemerkbar“, sagt er.

 Martina Demmer führt drei Modeläden. Einen musste sie vorübergehend schließen. 
Martina Demmer führt drei Modeläden. Einen musste sie vorübergehend schließen.  Foto: Privat

Auch habe die Corona-Pandemie das Kaufverhalten der Konsumenten verändert: „Es gibt im Einzelhandel Gewinner und Verlierer — beziehungsweise Verlierer und Nicht-Verlierer“, sagt Kaiser. Besonders nachgefragt werden Waren, mit denen sich das eigene Umfeld und die Freizeit gestalten lässt. „Baumärkte und Möbelhäuser haben gerade großen Zuwachs“, sagt er. Nicht so gut sieht es in der Textilbranche aus. Da keine Veranstaltungen stattfinden, sei die Motivation, sich neue Kleidung zu kaufen, sehr gesunken. Ausnahme seien Dessous, dort steige die Nachfrage. „Das passt ins Bild, denn es zeigt, dass sich die Menschen es zuhause gemütlich machen.“

In Büderich hat Alexander Mous beobachten können, wie sich das Einkaufsverhalten der Meerbuscher in der Corona-Krise aufgesplittet hat. Er ist Inhaber eines Spielwarenladens und eines Fahrradgeschäftes an der Dorfstraße. Während es im Spielwarenladen in den vergangenen Monaten sehr ruhig zuging, boomte der Verkauf von Gazelle-Fahrrädern. So sehr, dass die Ware in seinem Laden knapp wurde. „Das Gazelle Werk musste im Frühjahr drei Wochen geschlossen bleiben, deswegen werden insgesamt 20 000 Fahrräder weniger produziert“, sagt Mous. Bis August nächsten Jahres sind die Räder der beliebten Marke ausverkauft, die Warenknappheit wächst: „Man merkt, dass die Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel meiden und das Wetter im Winter milder und fahrradfreundlicher geworden ist“, sagt Mous.

Dass weniger Veranstaltungen stattfinden, hat sich auf sein Spielwarengeschäft ausgewirkt. „Geburtstage und Feste wurden nicht gefeiert. Viele Kinder stellen vor ihrer Geburtstagsparty eine Geschenkekiste zusammen, diese Kundschaft blieb bis jetzt aus“, sagt Mous. Außerdem habe es in der Spielwarenbranche große Engpässe gegeben, nur 70 Prozent der Spielwaren seien produziert worden. „Die großen Spielwarenmarken Lego, Playmobil und Schleich nehmen keine Aufträge mehr an, weil sie keine Ware haben“, berichtet er. Trotzdem bleibt er positiv: „Wir hoffen, dass die Kunden zeitig ihre Weihnachtseinkäufe tätigen, damit sie das Gewünschte für ihre Lieben noch bekommen“, sagt er.

Inhaberin musste eine Boutique wegen Kundenmangels schließen

Nicht beklagen kann sich Goldschmied Frank Altenberg. Den ersten Lockdown habe er genutzt, um „handwerkliche Altlasten“ abzuarbeiten. Nachdem er wieder öffnen durften, „war die Hölle los“, sagt er. 60 bis 70 Stunden die Woche arbeiteten er und seine Kollegen. Woran es lag? „Viele hatten endlich die Zeit, aufzuräumen und sind dabei auf alte Erbstücke gestoßen“, sagt er. Stammkunden aus Meerbusch, aber auch aus Köln, Bonn und Aachen seien in den letzten Monaten vorbeigekommen, um alten Schmuck reparieren oder aufwerten zu lassen. Obwohl es im Herbst ein kleines Tief gegeben hat, macht sich Altenberg um das Weihnachtsgeschäft keine Sorgen. „Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt“, sagt er.

Auch bei Uschi Kreutzer, Inhaberin des Deko-Forums, wirkt sich der Aufräum- und Renovierungswahn während der Corona-Pandemie positiv auf das Geschäft aus. „Bis jetzt haben wir mehr Umsatz erzielt als im letzten Jahr“, sagt sie. Sie habe spürbar gemerkt, wie das Interesse an Dekoartikeln und Wohnaccessoires gestiegen sei. Und das, obwohl sich nur selten Laufkundschaft in ihren Laden verirre. „Unsere Kunden kommen gezielt zu uns, auch aus umliegenden Orten wie Kaarst und Oberkassel. Sie haben meist schon eine genaue Vorstellung von dem, was sie möchten“, sagt sie. Zwischendurch fragt sie bei ihren Kunden nach, warum die Nachfrage im Moment so hoch ist. Die Antworten ähneln sich: Viele können ihr Geld zurzeit nicht für eine Kosmetikerin, Urlaub oder andere Luxuriösitäten ausgeben, deswegen

Martina Demmer ist Inhaberin von drei Geschäften in Büderich. „Normalerweise ist in der Vorweihnachtszeit richtig viel los“, sagt sie. Nicht in diesem Jahr — eine der Boutiquen musste sie wegen wegen deutlich abnehmender Kundenfrequenz vorübergehend schließen. Und auch in ihren anderen beiden Geschäften ist der Kundenrückgang zu spüren. „Das Weihnachtsgeschäft ist unsere umsatzstärkste Zeit, das bleibt dieses Jahr wohl aus“, sagt sie.

Sie findet es schade, dass in TV-Beiträgen immer wieder für den Online-Handel geworben wird. Für den stationären Einzelhandel habe das enorme Auswirkungen. Auch dass die Gastronomie zurzeit nicht in Betrieb ist, wirke sich auf das Kaufverhalten der Menschen aus: „Das Shoppingerlebnis, bei dem man durch die Stadt bummelt und sich in ein Café setzen kann, fehlt“, sagt Demmer. Ein Problem trifft die Boutique-Inhabern besonders: Mode ist saisonal, vieles liegt zurzeit im Lager und wartet darauf, gekauft zu werden. „Wir müssen gucken, wie wir klar kommen. Trotzdem freuen wir uns über jeden Kunden, der vorbei kommt“, sagt sie.