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Maskenpflicht an Schulen: Wuppertal: Lob und Skepsis für Maskenpflicht an Schulen

Bildung : Maskenpflicht an Schulen: Lob und Skepsis für das neue Konzept

Schulleiter und Gewerkschaft halten Maßnahme für richtig, Schüler fürchten, mit Maske schlechter zu lernen.

Wenn Mittwoch nächster Woche die Schule wieder beginnt, gilt wieder der volle Stundenplan für alle. Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler müssen dabei Masken tragen – auf dem Schulhof und im Gebäude. Grundschüler dürfen sie im Unterricht ablegen, Schüler der weiterführenden Schulen müssen sie dagegen den ganzen Tag tragen.

„Sehr gut“, findet Schuldezernent Stefan Kühn die neuen Regeln. Das „weitreichende Konzept“ biete für den Präsenzunterricht „gute Rahmenbedingungen“. Schon vor den Ferien habe die Stadt „Hygiene-Begehungen“ in den Schulen gemacht, um die räumlichen Verhältnisse zu prüfen, etwa wo wie oft gereinigt werden müsse. „Das eine oder andere zusätzliche Intervall ist dazu gekommen.“ Wichtig sei nun, dass in den Schulen etwa Pausenzeiten gestaffelt werden, damit es weniger Begegnungen der Schüler untereinander gibt. „Insgesamt erlebe ich die Schulen als ausgesprochen sortiert“, lobt Kühn.

Richard Voß, Grundschulleiter und Mitglied im Leitungsteam der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält die Maskenpflicht für eine „logische Konsequenz“ der Rückkehr zu Präsenzunterricht und vollem Stundenplan. Dass die Masken in den weiterführenden Schulen auch im Unterricht getragen werden müssen, sei durchaus geboten. „Wir begrüßen das“, so der Gewerkschafter. An Grundschulen können die Masken weiter im Unterricht abgelegt, müssen aber auf den Gängen getragen werden. Vor den Ferien sei das gut gelaufen. „Ich weiß nur nicht, wie das mit Erstklässlern funktionieren wird“, so Voß.

Die Möglichkeit, dass sich Lehrkräfte regelmäßig testen lassen können, gebe Sicherheit und sei „überfällig“. Voß sieht aber an einigen Stellen noch „Absprache-Bedarf“: „Entscheidend bleibt die Hygiene.“ Er ist nicht zufrieden damit, wie häufig die Klassenräume bisher gereinigt werden.

Auch beim Personal sei noch vieles offen. „Wir wissen noch nicht, wie viele Lehrer wir nächste Woche an der Schule haben werden.“ Lehrkräfte mit Vorerkrankungen werden nicht mehr automatisch vom Unterricht befreit, sondern müssen jetzt erneut ein Attest vorlegen. „Das ist sinnvoll, das bringt Klarheit“, sagt Voß.

Burkhard Eichhorn, Leiter der Realschule Vohwinkel, sagt: „Ich finde gut, dass man nicht bestreitet, dass Corona auch nach den Ferien noch da ist.“ Den ganzen Tag Maske zu tragen, werde sicher schwierig, aber „das ist besser als so zu tun, als gäbe es die Ansteckungsgefahr nicht mehr“. Es gehe gerade um die Bildung der Jugendlichen, die bei einem erneuten Lockdown gefährdet wäre.

„Corona macht
keine Ferien“

Einiges werde nicht einfach werden: „Das Einbahnsystem hat mit zwölf Schülern pro Lerngruppe funktioniert, aber das geht nicht mit vollen Klassen.“ Es sei „ein Riesenproblem, dass die Gebäude sehr voll sind“. Um Schüler in den gleichen Gruppen zu halten, hätten sie den Stundenplan verändert. Offen sei noch, wie sie den Sportunterricht organisieren, der bis zu den Herbstferien draußen stattfinden soll. „Vielleicht müssen wir öfter einen Waldlauf machen.“ Er appelliert an Schüler, Eltern und Lehrer: „Wir alle müssen diszipliniert sein.“

Hildegard Harwix, Leiterin des Gymnasiums Sedanstraße, ist nicht überrascht von dem Konzept. „Es war ja angesagt, dass wieder Unterricht nach Plan stattfinden soll.“ Weil dabei der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, müssten Masken sein – „anders geht es nicht. Corona macht ja keine Ferien.“ Um Begegnungen gering zu halten, stellten sie ihr Raumkonzept vom Lehrerraumprinzip wieder auf Klassenraumprinzip um. Zudem erhielten jetzt konsequent die größten Klassen und Kurse auch die größten Räume. An einem Konzept für die Pausen und die Mensa arbeiten sie noch.

Bei einem Thema wartet Hildegard Harwix noch auf Klärung: Wenn Distanzunterricht nun für die Schüler rechtlich mit Präsenzunterricht gleichgestellt sei, sollte das auch für die Lehrer gelten. Dann könnten die Lehrkräfte aus Risikogruppen online unterrichten – eventuell mit einem Kollegen im Team. Wenn da Klarheit herrsche, könnten sie den Stundenplan fertig planen.

Auf eine gewisse Skepsis stößt das Konzept bei Schülern. Die Maskenpflicht hält Susanne Schurakowski (18), Q2-Schülerin an der Gesamtschule Else Lasker-Schüler, für „schwierig“. „Wir sind ja nicht nur eine Stunde in der Schule.“ Sie befürchtet, sich mit Maske schlechter konzentrieren zu können. Von ihr aus könnte es weiter Online-Unterricht geben. Oder Präsenzunterricht in kleineren Gruppen. Mit allen im Klassenraum zu sitzen ohne Maske, wäre ihr auch nicht geheuer. Sie sei daher hin- und hergerissen.

Niels (16), Schüler des Carl-Duisberg-Gymnasiums, sieht es ähnlich: „Unter der Maske kann man nicht so gut atmen“, sagt er. Er hatte erwartet, dass sie weiter in kleinen Gruppen Unterricht haben. Aber wenn jetzt wieder alle gemeinsam in der Klasse sitzen, „muss man wohl Maske tragen“.

Alina (16) vom Gymnasium am Kothen ist etwas entspannter: „Ich bin mittlerweile ganz gut an die Maske gewohnt.“ Sie fahre zum Beispiel öfter länger mit dem Bus. Deshalb findet sie: „Wenn das Masketragen hilft, muss man sie tragen.“ Ohne Maske im Klassenraum hätte sie Angst, angesteckt zu werden oder jemanden anzustecken.