Lügde: Drittem Anklagten wird Missbrauch in 162 Fällen vorgeworfen

Missbrauchsfall Lügde : Drittem Anklagten wird Missbrauch in 162 Fällen vorgeworfen

Zum massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde werden jetzt auch gegen den dritten Beschuldigten Details der Anklage veröffentlicht. Die Taten sollen sich über 20 Jahre hingezogen haben. Mindestens 17 Jungen und Mädchen wurden demnach zum Opfer.

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde in Nordrhein-Westfalen hat das zuständige Landgericht Detmold nun auch zum dritten Angeklagten Details zu den Vorwürfen veröffentlicht. Die Anklagebehörde wirft demnach einem 34 Jahre alten Mann aus Steinheim insgesamt 162 Fälle des sexuellen und schweren sexuellen Missbrauchs von Kinder vor. Nach Angaben des Landgerichts Detmold umfasst die 45 Seiten lange Anklageschrift Taten im Zeitraum von 1999 bis zum 11. Januar 2019 auf dem Campingplatz bei Lügde, wie das Gericht am Mittwoch mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft Detmold hat demnach 17 Opfer aufgeführt - acht Mädchen und neun Jungen - die zum Zeitpunkt der Taten minderjährig waren.

Zusätzlich ist der Besitz von kinder- und jugendpornographischen Fotos und Videos Teil der Anklage. Der 34-jährige Mann soll knapp 5000 Dateien besessen haben. Das Landgericht Detmold prüft jetzt, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird.

Im Fall der beiden anderen Hauptbeschuldigten hatte das Gericht bereits zu einem früheren Zeitpunkt Details veröffentlicht. Demnach werden dem 56-jährigen Hauptverdächtigen von der Staatsanwaltschaft in der Anklage 293 Fälle vorgeworfen. Der Mann muss sich unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie dem Besitz von kinderpornografischen Schriften verantworten.

Ein mutmaßlicher Komplize (49) des Mannes aus Stade in Niedersachsen ist mitangeklagt, weil er unter anderem in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen des Dauercampers teilgenommen haben soll. Teilweise soll er den Hauptverdächtigen vorher ausdrücklich zum Missbrauch aufgefordert haben. Nach bisheriger Planung könnte der Prozess am 27. Juni in Detmold beginnen.

(dpa)
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