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Leverkusen Selbsthilfegruppen brauchen selbst Hilfe

Kaum Treffen in Leverkusen : Selbsthilfegruppen brauchen wegen Corona-Krise Hilfe

Corona hat auch den rund 60 Selbsthilfegruppen in Leverkusen zugesetzt. Ratsuchende konnten sich nicht treffen. Nun ist man auf der Suche nach neuen Wegen.

Selbsthilfegruppen können Menschen in Krisensituationen helfen. Doch zuletzt waren fast 60 Leverkusener Selbsthilfegruppen selbst in die Krise geraten. Kontaktstellen blieben wegen Corona geschlossen, und der vertraute Austausch war über Monate ausgesetzt. Einige Betroffene wussten sich zu helfen und verlagerten ihre Treffen ins Freie, andere hielten Verbindung über digitale Medien. Nun kam die Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Leverkusen nach langer Zwangspause erstmals wieder zusammen, und das Aufatmen bei allen ehrenamtlichen Gruppenleitern war groß.

„Corona hatte enorme Auswirkungen“, erläutern Birgit Seehausen vom Selbsthilfe-Büro Leverkusen und ihre Kollegin Nicole Stein aus Bergisch Gladbach. „Einige Gruppen mussten sogar aufgeben“, ergänzen die Expertinnen, die zum ersten Treffen – von normalerweise vier Terminen pro Jahr – auf das Naturgut Opladen eingeladen hatten. Es seien aber auch neue Gruppen entstanden, beispielsweise eine ADHS-Gruppe, die sich mit Begleiterscheinungen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung beschäftige. Der Gesprächskreis für Hochsensible habe sich bislang zweimal getroffen.

Ebenfalls neu: Dem Selbsthilfebüro steht ab Mitte Oktober eine Fachkraft für zehn Stunden pro Woche zur Verfügung, um die Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige unterstützen zu können. „Im Moment ist nichts normal und nichts selbstverständlich“, berichtet Seehausen über weitere Sorgen und Nöte des Netzwerks. So sollte vor kurzem der 20. Gründungstag der Selbsthilfe-Kontaktstelle Bergisches Land des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes – zu der auch das Selbsthilfebüro Leverkusen gehört – gefeiert werden. Das wurde angesichts der Pandemie verworfen.

Neue Broschüre zeigt alle Leverkusener Selbsthilfeangebote

Alternativ sei nun ein Film geplant, der voraussichtlich im Frühjahr veröffentlicht werde, sagt Stein. Protagonisten seien Menschen, die ihren Lebensalltag trotz schwerer Behinderung meisterten: darunter eine erblindete junge Frau, eine andere, die 70 Kilo Gewicht verlor, und eine, die trotz Beinamputation Motorrad fährt. Dazu komme ein COPD-Vertreter, der trotz chronischer Lungenkrankheit den Kölner Dom mit Atemgerät bestieg, und ein Mann aus der Selbsthilfegruppe Angst, der Prinzenführer im Rheinisch-Bergischen-Kreis werden wollte. Ab Herbst seien die Möglichkeiten zu Gruppentreffen vermutlich begrenzt, prognostiziert Birgit Seehausen, dann würden die Karten neu gemischt. „Wir versuchen, kreativer zu werden und neue Räume zu finden“, verkündet Nicole Stein. Zu den Neuerungen gehört nun eine Broschüre, in der erstmals alle Leverkusener Selbsthilfeangebote verzeichnet sind. Sie soll an alle öffentlichen Einrichtungen verteilt werden, um Kontakte zu Selbsthilfegruppen zu ­erleichtern.