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Land will strenge Gewichtsgrenze für die Reiter im Rosenmontagszug

Sicherheit für Pferde und Narren : Land will strenge Gewichtsgrenze für die Reiter im Rosenmontagszug

In Köln dürfen die Reiter ab sofort nur noch 20 Prozent des Pferdegewichts wiegen – das Umweltministerium plant sogar ein 15-Prozent-Limit.

Das hat es beim traditionsreichen Kölner Rosenmontagszug auch noch nicht gegeben: An den Aufstellplätzen wird es dieses Jahr mobile Waagen geben, auf die Pferde und Reiter gestellt werden. Mehr als 20 Prozent des Pferdegewichts darf ein Reiter – samt Sattel und Zaumzeug – an Kilos nicht wiegen. Das klingt kurios, hat aber einen ernsten Hintergrund. Nachdem 2018 eine Pferdekutsche durchging und mehrere Menschen verletzt wurden, ringen Land, Kommunen und Karnevalisten um neue Regeln für Mensch, Tier und Material.

Das Ergebnis: Diese Woche wurden Kölner Richtlinien vorgestellt, die neben der Kilo-Kontrolle unter anderem eine Gelassenheitsprüfung für die Pferde sowie einen Kutschenführerschein vorsehen. Damit kamen die Kölner Karnevalisten in Teilen der Landesregierung zuvor: Denn das Umweltministerium hat einen ersten Entwurf für Leitlinien erstellt, die „einen größtmöglichen Schutz der Pferde und der Sicherheit von Beteiligten und Zuschauern“ gewährleisten sollen. Dazu gehören ein Handy-Verbot am Zügel, auch Rauchen, Alkohol und Drogen sind tabu. Die Reiter sollen den Deutschen Reitpass und zusätzlich Reitpraxis nachweisen. Für die Pferde sind Dopingkontrollen angedacht. Und: Das Land will dem Jeck künftig sogar noch strenger an den Speck als die Domstadt.

Der Reiter, heißt es in dem Leitlinien-Entwurf, müsse ein „geeignetes Verhältnis“ zur Konstitution des Pferdes haben: „Das Gewicht Reitender darf nicht mehr als 15 Prozent des Pferdegewichtes betragen.“ Zur Verdeutlichung: Bei einem 500 bis 600 Kilo schweren Pferd, dürfte der jeweilige Reiter nur noch zwischen 75 und 90 Kilo wiegen. Wie man sich die Kontrolle des Gewichtsverhältnisses vorstellt, bleibt offen.

Ein kleines Schmunzeln kann sich Sven Gerling, für die Sicherheit im Düsseldorfer Karneval zuständig, bei diesen Zahlen nicht verkneifen. Ein großes Aussortieren von moppeligen Prinzgardisten muss er aber nicht befürchten – die meisten seien eher schmal gebaut. Dass die Landes-Leitlinien erst über die Presse zu den Vereinen sickerten, nennt Gerling „unglücklich“. Inhaltlich könne er mit ihnen aber gut leben: „Es ist eine Diskussionsgrundlage, die ich sehr begrüße.“ Zumal auch in Düsseldorf schon viel umgesetzt wird von dem, was das Umweltministerium sich wünscht: Reiterpass und Praxis sind Pflicht, die Begleitungen der Reiter-Pferd-Gespanne müssen mindestens 16 Jahre alt sind. Rauschmittel seien selbstverständlich verboten und Handys trage ohnehin keiner der noch etwa 30 Reiter bei sich – Kutschen hat die Landeshauptstadt selbst verbannt. Stichprobenartig würden auch schon Dopingproben bei den Pferden durch einen Amtstierarzt genommen – in Köln ebenso. Interessant: Während es dort heißt, vor zwei Jahren seien 48 Pferde positiv getestet worden, sagt Gerlings: „Die Blutproben waren in Düsseldorf immer negativ.“

Das Umweltministerium teilt auf Anfrage mit, es werde den Entwurf noch in dieser Woche den Karnevalsvereinen zuleiten und darum bitten, die Richtlinien während der Rosenmontagszüge auf ihre Praxistauglichkeit zu bewerten. „Nach der Session wird das Ministerium zu einer gemeinsamen Besprechung einladen, in der Folge der Leitfaden finalisiert“, heißt es zum weiteren Vorgehen.