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Kruppstraße: Viel mehr als nur ein Parkplatzproblem

Kruppstraße: Viel mehr als nur ein Parkplatzproblem

zu: „Bauprojekt Kruppstraße: Investor plant ein Haus mit 14 Wohnungen“, WZ vom 30. März

Ich bin selbst Anwohner der Kruppstraße in unserem schönen Wuppertal und wohne gegenüber des Grundstückes, auf dem der Bau des in Ihrem Artikel erwähnten Mehrfamilienhauses geplant ist. Wie viele der betroffenen Anwohner verfolge ich daher ebenfalls den Verlauf des Bauvorhabens und die diesbezügliche Berichterstattung sehr genau.

Dass dabei immer wieder das Thema der Parkplatzsituation in den Vordergrund gerückt wird, empfinde ich als gleichermaßen störend sowie unangemessen. Natürlich ist es außerordentlich lästig, wenn vorhandener Parkraum verringert bzw., wie in diesem Falle, aufgehoben wird - trotzdem kann dies doch heutzutage nicht das ausschlaggebende Argument sein, um den Neubau eines Hauses zu verhindern.

In Zeiten des nicht mehr zu leugnenden Klimawandels sowie des unerlässlichen Diskurses über die Zerstörung unseres Lebensraumes sollten andere, weitaus wichtigere und letztlich ausschlaggebende Kriterien im Vordergrund stehen:

Zum Beispiel der Verlust Jahrzehnte alter Bäume, die als Kohlenstoffspeicher zur Verbesserung der Luftqualität und auch des Klimas an einer der meistbefahrenen Straßen Wuppertals beitragen.

Außerdem ist die zusätzliche Versiegelung des Bodens, welche die Hochwassergefahr bei Starkregen weiter erhöht, zu beachten.

Dazu kommen die negativen Konsequenzen für den Spielplatz bzw. den angrenzenden Park, die nicht nur aktiv von Kindern und Bewohnern der Nachbarschaft, sondern ebenso von umliegenden Schulen und Kindergärten genutzt werden.

Zusätzlich die viel zu selten berücksichtigte, extrem schlechte Ökobilanz von neu gebautem Wohnraum. Dies sind meines Erachtens viel schlagkräftigere Gründe, ein solches Bauvorhaben nicht zu genehmigen.

Solange eine Stadt wie Wuppertal den bereits vorhandenen Wohnraum nicht konsequent aufwertet und nutzt, sollte die Bereitstellung von Bauland und die Schaffung von neuem Wohnraum generell viel strikter reguliert werden.

Darüber hinaus trägt ‚hochpreisiger‘ Wohnraum, in welche Kategorie der hier geplante wohl fallen dürfte, in keiner Weise dazu bei, die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt zu verbessern.

Baugrund an den Meistbietenden zu ‚verhökern‘, ohne die Anwohner einzubeziehen und insbesondere ohne die ökologischen Folgen zu berücksichtigen - nur um die leeren Kassen der Stadt zu füllen - ist die Art von Politik, die nicht nur unsere Demokratie, sondern insbesondere die Zukunft unserer Kinder mit Füßen tritt.

Von Martin Freund, per Email an die Redaktion