WZ-Serie: Die Reise ihres Lebens : Büffel, Mücken und ein Sänger

Nicki und Conner Keßeler aus Schiefbahn sind weiter unterwegs in Kanada und an der Grenze zu den USA.

„Eigentlich bräuchten wir jetzt einmal so richtig und entspannt Urlaub“, sagt Nicki Keßeler schmunzelnd. Seit Anfang Juli ist sie mit ihrem Ehemann Conner kreuz und quer durch die kanadische Provinz British Columbia gefahren, immer auf der Suche nach besonderen Erlebnissen. Die beiden Schiefbahner genossen zuletzt nach vielen Strapazen den mehrtägigen Aufenthalt in einem Motel in Quesnel, mit richtigen Betten, Dusche und Fitnesscenter.

Nicki hat so eine Art Tagebuch geführt. Darin die rund 9100 Kilometer zusammengefasst, die man bisher in dem alten Ford zurückgelegt hat. Die Spritpreise lagen bisher zwischen 1,34 und 1,46 kanadischem Dollar (CAD). 1,5 CAD entsprechen etwa einem Euro. Sogar die beobachteten Tiere hat sie einmal aufgelistet, darunter waren unter anderem 16 Bären, ein Vielfraß, mehr als 20 Bisons und drei Weißkopfseeadler. Von den Zigtausenden von Mücken ganz zu schweigen. Sogar das Geheul von Kojoten hatten sie kürzlich gehört. Den Berglöwen sind sie noch auf der Spur.

Vorbei an Ranches
und Ferienvillen

Sie waren zuletzt den Yellowhead Highway in südlicher Richtung gefahren, vorbei an kargen Landschaften. Jetzt kam man wieder in grünere Gegenden. Sie sahen am Wegesrand unzählige Ranches mit Pferden und Rindern. Die Zivilisation hatte sie auf den Weg in den Ellison Provincial Park wieder eingeholt. Mit all ihren Schattenseiten: So steht am riesigen Okanagan Lake Ferienvilla an Ferienvilla. In den Orten, so in Kelowna, etliche Touristenshops. Conner fuhr stattdessen mal wieder eine Autowerkstatt an: Der alte Pick Up ächzte aus allen Ventilen. Noch ließen sich aber die Reparaturen schnell und relativ preiswert beheben. Inmitten der Berglandschaften fuhren die beiden durch Peachland und Summerland an vielen Obstplantagen vorbei, lernten einige Einheimische kennen. So resolute Indianer, die ihre Campingplätze feil boten und mit denjenigen, die ihren Platz nicht sofort bezahlt hatten, kurzen Prozess machten. So ging es einem jungen Pärchen aus Mexico: Ihr Zelt mitsamt der Gitarre wurde kurzerhand abgebaut und auf einen Müllberg geschmissen. Die Schiefbahner halfen dem Paar, ihr Zelt wieder aufbauen zu dürfen.

In Osoyoos war es mit noch 20 Grad angenehm warm. Auf einem Parkplatz stand ein verrücktes Fahrzeug, rundum mit glitzernden Steinen bestückt. Den Fahrer sollten sie wenig später kennenlernen: Fred, ein 68-jähriger Rentner. Er stellte sich als Countrysänger und Künstler vor, der unterwegs Bars für seine Auftritte sucht. Fred erzählte, dass er eigentlich Fred Guido Tober heißt, in Lüdenscheid geboren sei, wo seine Oma immer noch wohne. Nicole und Conner kauften ihm eine CD ab. Als Dank griff Fred zu seiner Gitarre und spielte ihnen auf dem Parkplatz ein Ständchen.

Sie lernten ferner Indianer kennen, die ihren eigenen Wein anbauten, nahmen auch an einer entsprechenden Verkostung teil. Nach dem Probieren von fünf Weinen war erst einmal eine längere Pause angesagt. In einer Nacht wurden sie aufgeschreckt. Es war kein Bär, sondern ein Nager, der sich unter ihrem Fahrzeug zu schaffen machte. Er konnte vertrieben werden.

Angekommen in Midway, erholt sich das Paar derzeit durch Spaziergänge. Die beiden strampelten zudem direkt an der Grenze zu den USA einen Berg hoch, trafen anschließend den Steinkünstler Norm und Gorden, der sie spontan zu einem abenteuerlichen und spannenden Ausflug ins Hinterland einlud. Unterwegs stoppten sie eine Polizeistreife: Conner hatte auf dem Highway eine Geldbörse gefunden, mit dem Ausweis und Führerschein einer jungen Frau. „Okay, will give it back to her“, war die knappe Antwort eines Polizisten. In unmittelbarer Nähe von Midway waren von Einheimischen zuletzt Wölfe, Pumas und Kojoten gesichtet worden. Conner hörte aber nur das Geheul seines Pick Ups. Erneut ging es zur Werkstatt zur Auswuchtung der Reifen.

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