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Zum Schwarzen Pfuhl: Neues Leben in der alten Neersener Gaststätte

Wohnen und Arbeiten in ehemaliger Fernfahrer-Gaststätte : Neue Mieter am Schwarzen Pfuhl

Vom Rathaus Schiefbahn nach Neersen: Die Abteilung „Vollstreckung“ der Willicher Stadtverwaltung bezieht am 3. Juli die renovierten Erdgeschoss-Räume der ehemaligen Fernfahrerkneipe.

Malermeister Ludwig Küppers streckt sich. Die Tapetenbahn muss über seinem Kopf an die Decke. Der Kollege hält das andere Ende. Küppers streicht die Bahn glatt. Armzug für Armzug kommt er voran. Draußen wechselt genauso regelmäßig die Ampel von Grün auf Rot. Auch zur Mittagszeit ist an Neersens größter Kreuzung viel Verkehr. Vorbeifahrende Auto- und Lkw-Fahrer haben keinen Plan davon, was sich hinter der Fassade der seit 2016 leerstehenden Gaststätte „Zum Schwarzen Pfuhl“ tut. Außen pfui, innen hui.

Malermeister Küppers gehört zum „Team Fertigstellung“. Die zwei Männer, die im Flur den Boden verlegen, auch. Willy Kerbusch, Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft der Stadt Willich, und Aufsichtsratsvorsitzender Christian Pakusch bahnen sich den Weg vorbei an Werkzeug und Kartons. „Phasenweise waren hier 32 Handwerker gleichzeitig zugange“, sagt Kerbusch. Klingt nach dem TV-Format „Einsatz in vier Wänden“.

Ehrgeizig ist die Zielvorgabe im Erdgeschoss. Wo früher gezapft wurde, wird jetzt geschafft. Umbaubeginn war in der letzten April-Woche. Umzugstermin ist am 3. Juli. Nächste Woche also zieht das Team „Vollstreckung“ des städtischen Geschäftsbereichs Finanzen in die Räume der ehemaligen Fuhrmannsherberge und Fernfahrer-Raststätte „Zum Schwarzen Pfuhl“. 180 Quadratmeter Fläche für vier Büros, eine Besprechungsküche, den Sanitärbereich und einen Versorgungsraum. Platz für zehn bis elf Mitarbeiter.

Bessere Wandisolation und
neue Brandschutzdecken

„Hier war kein Balken, der es noch tat“, sagt Kerbusch. Er zieht sein Smartphone aus der Tasche. Fotos zeigen den Zustand der Räume bei der ersten Besichtigung. Der Vorher-Nachher-Effekt beeindruckt, auch wenn in den Erdgeschossräumen noch nicht alles an seinem Platz ist. Weiße Wände, weiße Decken, Boden in Holzoptik, neue, dreifach verglaste Fenster. Die Wände sind von innen mit 17,5 Zentimeter dicken Gasbetonsteinen verkleidet und isoliert worden. Durch Brandschutzdecken ist die Zimmerdecke niedriger als zu Gaststättenzeiten. Malermeister Küppers beschwert sich darüber nicht. Er flachst. Und erzählt, dass er schon vor 30 Jahren in der Gaststätte Tapeten geklebt hat.

In das Kreuzungs-Eckgebäude zieht vor den ersten neuen Mietern umweltgerechte Technologie ein. „Mit Geothermie-Fußbodenheizung.“ Später auch Photovoltaik, wenn das Dach erst erneuert ist.

Der Umzug findet vom 2. bis 5. Juli statt. In der Zeit ist das Team Vollstreckung, so Simone Küppers, Leiterin des Geschäftsbereichs Zentrale Finanzen, nur eingeschränkt, teilweise nicht erreichbar. In dringenden Fällen Kontaktaufnahme über Telefon: 02156/949-139.

Spätestens Weihnachten sollen die städtischen Mitarbeiter nicht mehr die einzigen Mieter im Gebäude sein. Wohnen am Schwarzen Pfuhl – vier möblierte Appartements entstehen bis Ende des Jahres in der ersten Etage des Hauptgebäudes.

Für die Gewerke ist extra auf der Rückseite ein eigener Zugang ins Obergeschoss geschaffen worden, damit die Handwerker in den nächsten Monaten nicht durch die neuen Büroräume laufen müssen. Die früheren Anbauten, die sich in dem Bereich an die ehemalige Raststätte angeschlossen hatten, waren von der Substanz her so schlecht, dass sie in der vergangenen Woche abgerissen wurden. Eins der massiven Probleme laut Kerbusch: „Die Holzbalken waren abgefault.“

Eine weitere Wohnung entsteht im Anbau auf der gegenüberliegenden Seite. Der trägt aktuell Hausnummer 1. Wer aus der Tür schaut, blickt direkt auf den Parkplatz, der vergrößert werden wird. Das hat Kerbusch auch den Schützen bereits signalisiert.

Die 80 Quadratmeter Wohnfläche verteilen sich auf zwei Etagen und eine Galerie. „Da sind wir auch bis Ende des Jahres durch“, so Kerbusch. Ihm schwebt noch eine Terrasse oder ein kleines Gärtchen vor. Der gesamte Gebäude-Komplex, der zwar nicht unter Denkmalschutz stehe, aber prägend für den Ort sei, soll wieder eine ansehnliche Visitenkarte Neersens werden. Die Vermietung übergibt die Grundstücksgesellschaft anschließend in andere Hände.

An der Kreuzung läuft’s. Die angrenzende Freifläche (zwischen „Zum Schwarzen Pfuhl“ und Kapelle Klein-Jerusalem) ist gedanklich schon bebaut. Die Grundstücksgesellschaft als Noch-Eigentümerin will dort fünf Einfamilienhäuser (nahe Kapelle) und vier Mehrfamilienhäuser mit 25 bis 30 Wohnungen schaffen. Das Grundstück ist auf dem Markt. Es soll gegen Höchstgebot an einen Investor gehen.