Zum Entkusseln auf die Wiese

Für eine Vielzahl von Tieren ist die Schmetterlingswiese im Neersener Schlosspark eine grüne Oase. Aktuell wird sie erweitert.

Neersen. Mit gleichmäßigen kurzen Schlägen klopft Gudula Grimme-Eiffler die gerade abgeschnittenen trockenen Stängel der Nachtkerzen gegen den Eimerrand. „Die Nachtkerzen haben dort, wo sie gestanden haben, zwar schon jede Menge Samen abgeworfen, aber es sind immer noch welche in den Kapseln vorhanden. Die schlagen wir aus und streuen sie an weiteren Stellen wieder ein“, sagt sie und blickt in den Eimer, dessen Boden schon komplett bedeckt ist.

Foto: Kurt Lübke

Grüne Ostern

Aber nicht nur sie ist auf der Schmetterlingswiese im Neersener Schlosspark im Einsatz. Ein Stückchen weiter sind Heiner Duve und Erich Stettner mit dem Einsetzen von Heckenpflanzen beschäftigt. Zu den 19 Sträuchern zählen unter anderem Schlehe, Weißdorn, Kornelkirsche und Sommerflieder, vielen auch als Schmetterlingsflieder bekannt. Allesamt Pflanzen, die Tieren als Lebensraum und Nahrungsquelle dienen.

Lebensraum schaffen, darum geht es dem Naturschutzbund (Nabu) Willich mit dem Projekt Schmetterlingswiese. Dazu werden aktuell die Hecke am Rand der Wiese sowie eine Blumenwiese im trockenen und feuchten Teil der Fläche angelegt.

Dass die Idee der gesamten Anlage generell aufgeht, zeigen die Insekten und Vögel, die dort zu finden sind. Der Admiral, das Tagpfauenauge, der Distelfalter, der Bläuling, der C-Falter und das Landkärtchen sind nur einige der Schmetterlingsarten, die sich dort wohlfühlen. „Mit den ausgesuchten Pflanzen bieten wir den Schmetterlingen Raupenfutter und Möglichkeiten der Überwinterung“, sagt Nabu-Mitglied Helmut Friesheim.

Die stark duftende Nachtkerze ist dabei eine ganz besondere Pflanze. Sie blüht nämlich, wie der Name es schon sagt, nachts. Damit zieht sie Insekten an, die wiederum Nahrung für Fledermäuse darstellen, die in der Nacht unterwegs sind. „Es ist dazu eine wunderschöne Pflanze. Hat man sie im Garten und sitzt am Abend auf der Terrasse, so blickt man auf kleine leuchtende Lampions, da die gelben Blüten fluoreszierend sind“, berichtet Heike Monsieur. Sie selbst ist mit dem Rechen unterwegs und schließt Kaninchenlöcher mit Erde, damit darauf später ausgesät werden kann.

Jörg Tilmans ist ebenfalls mit dem Rechen anzutreffen. Allerdings hat er eine andere Aufgabe übernommen. Er ist mit dem Entkusseln beschäftigt. „Man könnte es mit dem Vertikutieren eines Rasens vergleichen. Ich ziehe alte abgestorbene Gräser ab und belüfte den Boden damit. Er kann abtrocknen und es kann eingesät werden“, erklärt Tilmans.

Eine einzelne große Hummel brummt vorbei. Eine Königin auf der Suche nach einem Nest für die Bildung eines Volkes. Am Wildbienenhotel in der Mitte der Schmetterlingswiese summt und brummt es indes kräftig. Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen da und die Temperaturen steigen, werden die Wildbienen aktiv.

Aber nicht nur die Schmetterlingswiese ist ein Refugium für Insekten, Vögel und weitere Tiere. „Auf unserer Naturwiese in Schiefbahn haben wir im vergangenen Jahr zwei Braunkehlchen gesehen. Gebrütet haben sie dort nicht, es waren Durchzügler. Aber es ist ein Anfang für selten zu sehende Vögel“, sagt Monika Sandrock vom Nabu Willich. Die 45 000 Quadratmeter große Wiese mit ihrer Heckeneinfassung ist ein Brutgebiet für Vögel geworden. Aufgrund der beiden Teiche in der Wiese hofft der Nabu, dass sich dort auch Bekassinen ansiedeln könnten. Es handelt sich um eine Vogelart aus der Familie der Schnepfenvögel. Sie ist vom Aussterben bedroht, da Moore und Feuchtwiesen, die sie als Lebensraum benötigt, immer weiter verschwinden. In Schiefbahn erhält sie ein Stück Lebensraum zurück.

Lebensraum bietet auch die vom Nabu betreute Streuobstwiese in Neersen. Dort hängte der Verein jetzt neue Nistkästen auf, darunter auch Halbhöhlen für Grauschnäpper, Bachstelzen und Rotkehlchen.

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