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Wolfgang Niedecken: Ein klasse Abend für Fan und Star

Wolfgang Niedecken: Ein klasse Abend für Fan und Star

BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken trifft Guido Beckers in dessen Wohnzimmer in St. Tönis, spielt dort ein Privatkonzert und bleibt anschließend noch zum Plausch in der Küche.

St. Tönis. Eigentlich ist Guido Beckers nicht aus der Ruhe zu bringen. Nervös zu sein, gehört nicht zum Verhaltensrepertoire des St. Tönisers. Am Donnerstagabend aber dann doch, zumindest ein bisschen.

Der 51-jährige WZ-Mitarbeiter hatte sich an der WDR-Aktion „Möglichmacher“ beteiligt und sah sich unvermutet mit der Situation konfrontiert, dass sein Wunsch erfüllt wurde.

In seinem Wohnzimmer sitzt Wolfgang Niedecken, Sänger und Kopf der Kölner Band BAP, die Gitarre auf dem Schoß, die Mundharmonika um den Hals, und spielt ein Privatkonzert. Dem Kölner gefällt die Situation, er gibt alles, um den Eindruck der völligen Privatheit aufrecht zu erhalten.

Niedecken erzählt viel, auch vor und nach dem Konzert. Erzählt, wie die Situation um den Schlaganfall, der ihn getroffen hat, sein Leben veränderte. Wie er das Bewusstsein verlor und der letzte Gedanke war: „Scheiße, das war’s jetzt.“ Wie er im Krankenhaus die Augen aufschlug und dachte: „Ach, da kommt doch noch was.“

Ernsthaft ja — ernst nicht immer. Schon vor dem Konzert erklärt der Künstler mit einem Augenzwinkern: „Ich hab’ gedacht, da fährst Du mal nach Holland und gibst ein Konzert.“ Natürlich gibt’s für die Gäste eine Blitzeinführung in Sachen Kölsch. „Es gibt drei Worte, die man erklären muss: Pänz (Kinder), flöck (flott) und höösch (nicht so schnell, vorsichtig).“ Das letzte kennt der Niederrheiner natürlich auch, betont Konzertbesucher Christoph Kohnen: „Bei uns heißt das: Mir doch egal.“

Ja, Wolfgang Niedecken ist wohl Guido Beckers deutscher Lieblingskünstler. International ist er ein hochkarätiger Ersatz. Beckers absolutes Idol hängt in Gestalt eines Riesenposters an der Wand: Bruce Springsteen. Was für Niedecken kein Problem ist: Er ist mit dem „Boss“ befreundet, hat mit ihm mehrfach auf der Bühne gestanden. „Ich hab’s nur viermal erlebt, hier sind Leute, die bei allen sechs Auftritten von dir und Bruce dabei waren“, sagt Beckers in entschuldigendem Tonfall.

Niedecken erzählt derweil von Erlebnissen mit Springsteen. Der auf der Bühne plötzlich auf ihn zeigte und von ihm verlangte, das Riff aus „Jumpin’ Jack Flash“ von den Stones zu spielen. „Ich wusste, dass ich es auf keinen Fall zu schnell machen darf“, sagt Niedecken. „Dann klingt es überhaupt nicht.“ Oder: Er hat sich auf den Teleprompter verlassen, der aber leider in seinem Rücken hängt.

„Ich hätte nicht gedacht, dass er so locker ist“, sagt eine Besucherin. Und sie hat Recht. Während der BAP-Frontmann im Fernsehen häufig ernst rüberkommt, erlebt man ihn in St. Tönis locker, gelöst. Er lacht viel, scherzt rum, macht Witze über sich selbst. Um dann zwischendrin ernst zu werden. „Das neue Album soll auch ein Dankeschön an meine Frau und meinen Schutzengel sein.“

Dann wieder hat er kein Problem damit, jene Rock ‚n’ Roll-Klischees zu bedienen, die viel zu schade sind, um sie nicht zu erzählen. Als er mit dem Auto nach Marokko runter ist und beim Start die erste Bob-Dylan-CD einschiebt. Natürlich hat er sie alle dabei und hört sie nacheinander durch. Der letzte Song des letzten Albums läuft, als er an seinem Ziel in Marokko ankommt — herrlich.

Eines bestätigt der Abend aber dann doch mal wieder eindrucksvoll: Zwar ist zum Wohnzimmer-Konzert geladen. Wo aber treffen sich die Besucher vor und nach dem Gig? Logisch, in der Küche. Auch wenn diese viel kleiner ist als das Wohnzimmer. „Das ist doch wunderbar“, sagt Niedecken von hier aus live dem WDR. Und als der Reporter Guido Beckers das Mikro unter die Nase hält und ihn fragt, wie er’s fand, erklärt der ganz lässig seine perfekte Gemütsverfassung. Von Nervosität keine Spur, wie eigentlich immer.

„Es war einfach genial. Ich hätte doch nie für möglich gehalten, dass der WDR darauf einsteigt. Und nachdem ich eine halbe Stunde mit dem Wolfgang gequatscht hatte, war ich auch überhaupt nicht mehr nervös“, sagt Guido Beckers und lacht übers ganze Gesicht.