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Windmesse: Firma informiert über geplante Windenergieanlagen in Vorst

Windmesse in Vorst : Schall, Schatten und die Optik

Die Firma SL Windenergie hat in Vorst zur Windmesse eingeladen, um mit Bürgern und Politikern ins Gespräch zu kommen.

Mit sieben Mitarbeitern war Joachim Schulenburg, Leiter Projektentwicklung bei der Firma SL Windenergie GmbH, am Montagnachmittag im Haus Vorst. Er wartete im Saal von 16 bis 20 Uhr auf Bürger. Auf Betroffene, Windenergiegegner und -befürworter, um an Info-Stellwänden zu dem in der Stadt und in der Politik diskutierten Vorhaben der Gladbecker Firma Stellung zu nehmen.

Schulenburg und Team ging es darum, Skeptiker davon zu überzeugen, dass die Errichtung von zwei Windenergieanlagen im Landschaftsschutzgebiet zwischen Vorst und Süchteln für die Stadt Tönisvorst und ihre Bürger unter dem Aspekt Klimaschutz und politisch eingeleiteter Klimawende als wertschöpfend angesehen wird und angemessen geplant ist. Wertschöpfend deshalb, meint Schulenburg, weil es bei dem Projekt auch um Gewinnbeteiligung für die Bürger und die Kommune gehe. Beispiel: Darlehen beantrage man bei Banken vor Ort. Gewerbesteuer bleibe im Ort. Und über eine Stiftung unterstütze SL Windenergie  gemeinnützige Einrichtungen und Vereine.

2012 bis 2015 habe sich die Firma bereits in Vorst vorgestellt und in einer öffentlichen Information, gleich einer Potentialstudie von Windenenergieanlagen vor  Ort, über mögliche Standorte zwischen Kehn und Vorst und zwischen Vorst und Süchteln gesprochen. Von jeweils drei bis vier Windrädern („damals waren noch kleinere Anlagen im Gespräch“)  sei die Rede gewesen. Schulenburg: „Eine kommunale Akzeptanz gab es damals nicht“, weder in der Politik, noch bei der Verwaltung oder bei der Mehrheit der  Bürgen. „Wir bekamen den Hinweis aus Tönisvorst: ,Kein Interesse!’“

Danach habe man das Projekt seitens SL Windenergie nicht weiter verfolgt, so Schulenburg. Erst als die Bezirksregierung die Potenziale für Windenergie im Regionalplan wieder öffentlich machte, habe man die Unterlagen erneut zur Hand genommen. „Dass der Standort Vorst durch die Regionalplanung in die Aktualität kommt, hätten wir nicht mehr gedacht.“  Unter dem Vorzeichen habe man sich in der Firma gesagt: „Dann kommen wir zurück.“   Der Antrag wurde gestellt.

Mittlerweile ist die Genehmigung für den Bau und das Betreiben vin zwei Windrädern (Nabenhöhe 135 Meter, plus Rotor-Radius von 64 Metern; max-Höhe bis zur Flügelspitze von 199 Metern) in einem einfachen Verfahren vom Kreis Viersen als zuständiger Behörde erteilt worden (WZ berichtete mehrfach).

Ein Antrag für zwei Windräder dieser Bauart und ein einfaches Genehmigungsverfahren sehen keine verpflichtende Öffentlichkeitsbeteiligung vor Genehmigungserteilung vor. Das hat in Tönisvorst bei Politik und Bürgern Kritik hervorgerufen. Viele fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet.  Das Verfahren will man durch Widersprüche und Klageweg auf seine Rechtmäßigkeit hin nun gerichtlich überprüfen lassen. Privatpersonen und die Stadt haben Widersprüche und Beschwerden formuliert.  Die Prüfung läuft.

SL Windenergie hätte von sich aus die Möglichkeit gehabt, einer frühzeitigen öffentlichen Beteiligung zuzustimmen. Das aber hat die Firma abgelehnt. Zum Warum sagt Schulenburg: „Man muss die Entscheidung in Kombination mit unserer frühzeitigen Potenzial-Studie sehen.“ Er räumt ein, dass eine öffentliche Information vor allem Gegner anziehe. Außerdem sei bei Antragstellung trotz sorgfältiger Planung nicht klar, ob die Errichtung genehmigungsfähig ist. Schulenburg: „Überrollt wurde hier in dem Verfahren niemand.“

„Wir können Windenergieanlagen nicht unsichtbar machen.“  Aber in punkto Schattenschlag, Schall und  „optisch bedrängender Wirkung“ habe man, so Schulenburg,  die Hausaufgaben gemacht.  Immissionsschutzrecht, Artenschutz, Planungsrecht und Infrastruktur: alle Prüfkriterien seien  auf das Machbare ausgelegt. „Wir wollten keine grenzwertigen Belastungen und haben das genauso gestaltet.“  Beispiel optisch bedrängende Wirkung: Man nimmt in dem Fall die dreifache Höhe der Anlage und legt den entsprechende Wert als Radius um das Windrad. „In Vorst liegt nur ein Gebäude im Bereich Auffeld 24 Meter innerhalb des Radius’.“  Aber dort gebe es kein Fenster Richtung Windrad.

Mindestens  50 Interessierte waren im Haus Vorst. Viele Gespräche führte Schulenburg. Nach einigen habe man sich bei allem Austausch getrennt, ohne sich einen Schritt aufeinander bewegt zu haben.