Willichs Beigeordnete Martina Stall geht in den Ruhestand

Willichs Technische Beigeordnete geht in den Ruhestand : Laudatio mit Spitzen: „Martina Stall, ein Kapitel für sich“

So kennen und schätzen Wegbegleiter die scheidende Beigeordnete: eckig, kantig, impulsiv, aber stets verlässlich.

. Am Ende ist sie mit Marc Forster „durchgebrannt“, hat „Au revoir“ aufgelegt und – bezeichnenderweise – mitten im Neersener Ratssaal „Ich will weg“ von ihm singen lassen. Nachdem sie zuvor ihren männlichen Weggefährten, Duellanten, Kollegen und Gegenspielern aus 24 Jahren noch einmal verbal die Stirn geboten hatte.

Martina Stall, Willichs kantige, unbequeme und oft unbeugsame Technische Beigeordnete, die das Beliebige, das allzu Zaudernde und hundertfach Durchgekaute so verabscheut, hatte – mal wieder – das letzte Wort. Tun und lassen kann sie nun, was sie will. Im Ruhestand.

Beruflich hat sie, wenn man ihren Vorrednern glauben darf, selten Ruhe gegeben. Einem, der sie anscheinend (oder doch scheinbar?) in- und auswendig zu kennen glaubt und sie zu nehmen wusste, hörte man bei seiner spitzfindigen, wunderbar leicht-eleganten Laudatio ausgesprochen gern zu: Fritz-Joachim Kock, dem langjährigen Planungsausschuss-Vorsitzenden und Vorgänger von Christian Pakusch. „Immer aufrichtig, immer ehrlich, immer schwierig“, das sei Martina gewesen, so Kock: „Ein Kapitel für sich!“ Zuweilen seien therapeutische Fähigkeiten gefragt gewesen.

Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht. Davon hat Martina Stall schon 1994 nicht viel gehalten. Auf ihrer Bewerbungsrunde für das Amt der Beigeordneten schalt die Frau in der Willicher SPD-Fraktion ausgerechnet die Genossen in Mülheim, die der ambitionierten Architektin nicht den Freiraum gaben, den sie für ihre Arbeit so wünschte und erwartete. In Willich kam es anders, auch wenn die am Martinstag geborene Stall dort laut Kock „eher wie ein römischer Krieger auf allen Ebenen für die Willicher Sache ins Feld zog“. Die Erfolge der Martina Stall, die er als große Persönlichkeit würdigte, brachte Kock so auf den Punkt: „Vergleichen Sie mal das Willich von 1995 mit 2018.“

Ihre Verlässlichkeit und ihr Pflichtbewußtsein für die Stadt Willich hob Christian Pakusch hervor, der Stall, von der er viel gelernt habe, nicht so ganz ziehen lassen wollte: „Den Willicher Marktplatz werden wir zusammen eröffnen.“

Lukas Siebenkotten, ehemaliger Beigeordneter und Bürgermeister, der ebenso wie der frühere Stadtdirektor Dieter Hehnen und der Ex-Beigeordnete Christoph Gerwers der Einladung nach Neersen gefolgt war, weiß noch genau, dass man sich nach der ersten Präsentation Stalls gesagt habe: „Diese Frau wird uns jede Menge Probleme bereiten.“ Dass sie es mit der Willicher Männerwirtschaft aufnehmen wollte, habe ihm imponiert.

Bürgermeister Josef Heyes bettete den Namen Stall in den Exkurs über erfolgreiche Stadtentwicklung ein. „Sie haben unsere Stadt architektonisch und baulich geprägt.“ Er attestierte ihr Dynamik und Durchhaltevermögen, dazu eine Ideenpräsentation mit imperativer Verstärkung. „Gute Arbeit!“

Die SPD-Fraktion brachte Farbe in den Abschied, schenkte Staffelei, Leinwand, Pinsel und rote Acrylfarbe. Kreide hätte die scheidende Beigeordnete sicher abgelehnt.

Martina Stall dankte ihren Mitarbeitern und Kollegen, zuvorderst ihren drei Vorzimmerdamen, die ihrer Chefin auch in aufbrausenden Zeiten mit Gleichmut begegnet seien.

Die von vielen so oft gescholtene Verkehrssituation in Willich wird sich Stall nun am Steuer des Bürgerbusses ansehen. „Ich bleibe Bürgerin, werde mich aber auf einen Beobachterposten zurückziehen.“ Allein dieser Gruß zum Abschied flößte den weiter politisch Aktiven Respekt ein. Willichs Denker und Lenker werden Martina Stall vermissen.